“Das Kreuz mit dem C” – Martin Lohmann über den Katholischen Arbeitskreis, den Angela Merkel ablehnt
Juni 27, 2009 by osi
Von Dr. Rüdiger von Stengel
Mit seiner Forderung nach einem Katholischen Arbeitskreis in CDU und CSU spricht der Publizist und Christ Martin Lohmann aus, was viele andere denken. Zustimmung kommt quer aus der
Republik, vor allem aus der katholischen Kirche. Ablehnung aber gibt es von höchster Stelle. Angela Merkel sagt Nein und scheint über Lohmanns Vorstoß verärgert. Was will dieser? Und warum jetzt? Wir sprachen mit dem Bonner Publizisten, der in seinem neuesten Buch „Das Kreuz mit dem C“ der Frage nachgeht: Wie christlich ist die Union?
Herr Lohmann, warum wollen Sie eigentlich einen Katholischen Arbeitskreis? Hat die Partei mit dem C nicht wichtigere Sorgen?
Mag sein, dass es auch andere wichtige Fragen gibt. Die Antwort auf die Frage, wofür denn diese Parteien stehen und was sie unterscheidet von anderen Parteien, ist auf jeden Fall eine sehr wichtige. Nicht nur im Wahljahr. Aber dann erst recht. Wo ist der Mehrwert einer Partei mit dem hohen C? Das wollen viele Wähler endlich wissen. Mir scheint, da gibt es Profilbedarf. Vor allem katholische Wähler finden hier immer weniger eine politische Heimat.
Und das soll mit dem Katholischen Arbeitskreis besser werden?
Ja. Es ist jetzt die Zeit, ihn ins Leben zu rufen. Das C hat jede Verstärkung verdient. Neben dem Evangelischen Arbeitskreis (EAK) brauchen wir jetzt den Katholischen Initiativkreis (KAI). Das wäre eine wunderbare Gleichberechtigung für Protestanten und Katholiken in der Union. Alle Gründe, die einst für die Gründung des EAK sprachen, gelten heute hundertprozentig für KAI. Beide könnten – bei aller gegebenen Unterschiedlichkeit – diesen ersten Buchstaben im Parteinamen in ökumenischem Geist aufpolieren. Das C ist Zukunft. Im C schlummert Avantgarde. Das vielleicht ein wenig vergessene C sollte wachgeküsst werden. EAK und KAI schaffen das gemeinsam. Ich bin da sehr zuversichtlich. Es spricht nichts gegen diese Profilverstärkung.
Aber Angela Merkel hat postwendend Nein gesagt. Sie will einen solchen Kreis nicht. Wollen Sie, Herr Lohmann, Frau Merkel ärgern?
Mit Sicherheit nicht! Ich kenne und schätze sie. Ihre Sorgen wegen des KAI sind wirklich unbegründet.
Aber Sie kritisieren die CDU-Vorsitzende ziemlich angstfrei. Warum?
Weil wir uns kennen und beide den Disput lieben. Diskussionen helfen, neue Erkenntnisse zu bekommen. Und es ist immer gut, neugierig auf neue Argumente zu sein. Ich arbeite gegen niemanden, sehr wohl aber für etwas. Ich bin davon überzeugt, dass die C-Parteien einen wirklichen Mehrwert haben können. Die Union muss nichts aufgeben, aber manche Schätze können wiederentdeckt und neu erkannt werden. Die Union hat mit dem neuen C eine große Chance.
Also soll KAI nichts anderes verdrängen?
So ist es. KAI soll ein neuer Partner für Zukunft und Profil sein. Alle politisch interessierten katholischen Christen guten Willens sollten sich stärker engagieren. KAI lädt ein, dem C eine klarere Stimme zu geben. Das richtet sich gegen niemanden, ist aber ein Gewinn für alle.
Sie haben genau über diese Frage nach einem Katholischen Arbeitskreis in der Union schon Anfang der 90er Jahre mit Merkel gestritten. Sie hatten in Beiträgen im „Rheinischen Merkur“ die Forderung erhoben, woraufhin sich Merkel bei Ihnen meldete. War sie damals bereits dagegen?
Sie war damals EAK-Vorsitzende und Ministerin im Kabinett Kohl. Wir haben uns ausgetauscht, aber wir haben uns in dieser Frage nicht einigen können. Heute wissen wir, dass die alte Idee ganz aktuell und keineswegs weniger wichtig geworden ist. Die damalige Argumentation hat über die Jahre eher an Schwung und Kraft gewonnen. Was sollte jemand gegen ein stärkeres Engagement der katholischen Christen in der Christlich Demokratischen Union Deutschlands haben können?
Sie meinen, es wird trotz Merkels Nein eines Tages KAI geben?
Ja. Warum nicht? Und ich bin sicher, Angela Merkel wird sich am Ende des Tages gegen diesen innerparteilichen Zuwachs, der niemand schadet und viel Nutzen bringen kann, nicht wirklich stellen. Warum auch! Merkel ist doch keine plumpe Neinsagerin! Sie weiß doch, dass es nur gute Argumente für etwas Gutes gibt. Noch einmal: Vor KAI braucht man keine Angst zu haben. Im Gegenteil. Viele warten darauf, mit dem C auch den Mehrwert der Union zu entdecken.
Der bekennende katholische Christ und Journalist Martin Lohmann hat mit seinem Buch „Das Kreuz mit dem C. Wie christlich ist die Union?“ (Butzon & Bercker, 208 Seiten, 14,90 €) nicht nur die Debatte über einen Katholischen Arbeistkreis neu belebt. Sein Buch ist ein interessanter und analytischer Blick hinter die Kulissen der Union und ein leidenschaftliches Plädoyer für das C.






Kommentare