Iran: Die bittere Logik dahinter

Juni 29, 2009 by osi 

Der “Wächterrat” Irans hat heute bestätigt, dass die getürkte Wahl völlig legitim war. Damit ist Ahmadinedschad offiziell im Amt bestätigt und jeder Protest seiner Grundlagen beraubt – zumindest nach Auffassung der Regierung und der Mullahs. Die beiden Screenshots vom staatlichen iranischen Fernsehen belegen, dass betrogen wurde:

Screenshot 1 oben zeigt die Uhrzeit 09:47 Uhr, der Kandidat Mohsen Rezaee hat hier 633.048 Stimmen.

Screenshot 2 zeigt die Uhrzeit 13:53 Uhr, hier hat der gleiche Kandidat plötzlich nur noch 587.913 Stimmen, also 45.135 weniger.

Wie soll das gehen?

Es ist derzeit nicht möglich, in Tiefe zu ergründen, was die Menschen im Iran auf die Straße treibt – der Zorn auf die Macht der Mullahs, der Wahlbetrug, der Kopftuchzwang, die Erstickung freiheitlicher Ideen,  das Verbot moderner Musik, der Ärger über die wirtschaftliche Situation oder die Mischung aus allem oder vielem.

Hoch beeindruckend jedoch der offensichtliche Mut der Menschen, die auf die Straße gehen, ihr Leben riskieren oder allemal das Risiko eingehen, eingesperrt zu werden, Beeinträchtigungen zu erfahren, in der Schule, der Universität, am Arbeitsplatz.

Für die Masse der Medien hat der Tod Michael Jacksons den Aufschrei nach Freiheit im Iran von der Agenda geputzt. Selbst der Spiegel giert mit dem Jackson-Titel nach Auflage (Wette: Bestverkaufter Titel des Jahres).

Wir wissen, aus vielen Quellen, dass man in Israel und in den USA aufatmetet, dass Ahmadinedschad, der “Irre von Teheran” am Ruder bleibt. Mousavi gilt als Weichei: Keine Lobby, zu wenig Charisma, nicht regierungsfähig.

Ahmadinedschad hat die muslimische Betonfraktion hinter sich, das Landvolk ebenso und offensichtlich auch, wer weiß das derzeit schon ganz genau, die hässlichen Basidsch-Milizen und die Revolutionären Garden.

Mit seiner Holocaust-Leugnung, der x-fach dokumentierten Drohung, Israel zu vernichten und seiner Wut auf den “Satan USA” macht Ahmadinedschad eine andere Politik möglich als Mousavi, der letztlich auch kein radikaler Reformer zu sein scheint sondern ein Systemverbesserer.

Dem Westen kann nicht daran gelegen sein, das iranische System zu verbessern: er will es als klares Feindbild erhalten oder abschaffen. Das ist die bittere Logik dahinter.

Twitter Update: Ein Screening der letzten ca. 200 tweets bei #iranelection ergibt folgendes Bild: Gewaltausbrüche nach Bekanntgabe der Wahluntersuchung, für morgen Generalstreik geplant (einige Stimmen), Menschen tragen grüne Bänder jetzt um Fesseln, da an Handgelenken verboten, “Allah ist groß”-Rufe dröhnen durch die City, beschreibt jemand plakativ.

Kommentare