Katholiken mischen CDU auf – AEK-Gründer Lohmann über Merkels Schweigen, Unwahrheiten von Rüttgers und ungebrochene Dialogbereitschaft

Dezember 30, 2009 by osi 

Mitte November haben der katholische Publizist Martin Lohmann (Foto / „Das Kreuz mit dem C“) und andere Unionsmitglieder „aus Sorge um die Partei“ und deren Wählerverlust den „Arbeitskreis Engagierter Katholiken in CDU und CSU” (AEK) gegründet. Die zunächst nicht ernst genommene Initiative hat mittlerweile eine  heftige innerparteiliche Diskussion in Gang gebracht. Mehrere hundert Unterstützer schlossen sich dem AEK bereits in den ersten Tagen an. Bevor Lohmann mit dem Arbeitskreis an die Öffentlichkeit ging, hatte er das Projekt persönlich einem hohen Parteifreund vorgestellt: dem CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Selbst die Parteivorsitzende Angela Merkel hatte er gebeten, weitere Schritte mit ihr überlegen zu können. Diese Bitte, so AEK-Sprecher Lohmann, habe er nach Monatsfrist schriftlich erneuert. Bis jetzt ohne Erfolg. Will die CDU-Chefin den AEK ins Leere laufen lassen? Interview mit Martin Lohmann.

Deutschlandwoche: Herr Lohmann, Sie sind immer wieder auf Frau Merkel zugegangen und haben um ein Gespräch gebeten. Jetzt meldet der Spiegel, der Ihnen eine lange Analyse widmet, man wolle Ihren AEK aushungern.

Martin Lohmann: Das haben wir auch gelesen. Aber wir haben da Zweifel, auch wenn ein wichtiger CDU-Mann aus Nordrhein-Westfalen mir erzählt hat, es gebe einen Präsidiumsbeschluss dieser Art. Merkwürdig ist in diesem Zusammenhang auch, dass der stellvertretende CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, den ich um ein Gespräch gebeten habe, in einer Wochenzeitung Unwahres über uns behauptet, ohne jemals mit uns gesprochen zu haben. Wer lieber über uns herzieht als sich redlich zu informieren, handelt wenig anständig, wenig demokratisch und wenig souverän. Aber es gibt auch sehr ermutigende Signale. In einem längeren Gespräch mit dem CDU-Generalsekretär hat dieser mir jetzt versichert, dass es keinen entsprechenden Präsidiumsbeschluss gibt und dass niemand den AEK durch Ignorieren aushungern lassen wolle. Ich habe keinen Grund, Hermann Gröhe, den ich seit vielen Jahren schätze, nicht zu glauben. Mit ihm, der ja die Nummer Zwei der Partei ist, stehen wir in einem ehrlichen und buchstäblich konstruktiv christlichen Dialog. Ich bin sicher: Es wird auch weiterhin gute und konstruktive Gespräche geben. Bestimmt auch mit der Parteivorsitzenden.

Deutschlandwoche: Sind Sie da nicht ein wenig zu optimistisch?

Martin Lohmann: Wenn ihr Generalsekretär das Gespräch mit uns sucht, dann ist das ja auch eine Nachricht. Es wäre in der Tat bedauerlich, wenn Frau Merkel einem Dialog ausweichen wollte. Ehrlich gesagt: Ich kann mir das nicht vorstellen. Sie weiß inzwischen, dass die Partei unter ihrer Führung besonders stark bei den katholischen und ehemaligen Stammwählern verloren hat. Man hat zwar lange versucht, diese Tatsache geheim zu halten, doch es ist nun mal leider so: Unter den katholischen Wählern hat die Union um ein Mehrfaches von dem verloren, was sie sonst bei anderen Gruppen unserer Gesellschaft eingebüßt hat. Das kann und darf und wird der Parteichefin nicht egal sein. Uns vom AEK jedenfalls ist es nicht egal, wenn unsere Partei für viele Katholiken nicht mehr wählbar zu sein scheint. Deshalb wollen wir ja zur Profilierung unserer Partei beitragen. Wir wollen helfen, dass auch katholische Christen wieder vermehrt diese Union wählen.

Deutschlandwoche: Sie sehen bei Frau Merkel also Dialogbereitschaft?

Martin Lohmann: Ich glaube, auch weil ich sie kenne und schätze, an ihre Gesprächsbereitschaft und Dialogfähigkeit. Sollte wer auch immer ihr jedoch den Rat gegeben haben, gemäß den drei Affen nichts zu sehen, nichts zu hören und nichts zu sagen, dann würde man sie unterschätzen und sie letztlich zum Affen machen wollen. Das aber wird nicht funktionieren, sie wird sich nicht zum Affen machen lassen.

Deutschlandwoche: Man hört gelegentlich, das der aufrechte Gang in der Umgebung Merkels nicht die geübte Art der Fortbewegung ist. Fehlt Partei-Promis der Schneid, mit ihr Tacheles zu reden?

Martin Lohmann: Ich glaube, ein wenig mehr Selbstbewußtsein könnte manchem in Berlin in der Tat nicht schaden. Konstruktive Kritik ist nützlich. Wir sind eine Basisbewegung, also eine Initiative, die nachweislich nicht „von oben“ angeordnet worden ist, sondern sich aus der Mitte der Volkspartei gebildet hat und weiter bildet. Bei uns hat auch die Basis Prominenz. Wenn Sie so wollen, sind wir in besonderer Weise ein Teil der ersten Worthälfte von „Volkspartei“. Aber es ist richtig, dass uns immer wieder von Parteimandatsträgern und Funktionären berichtet wird, man sei ja eigentlich ganz und gar für unseren AEK, doch bitte man um Verständnis für eine konkrete Zurückhaltung, die von oben erwartet werde. Wenn das den Tatsachen entspräche, stellte sich schon die Frage, wie es um die Demokratie und die Meinungsfreiheit in der Partei Adenauers heute bestellt ist. Aber vielleicht gibt es ja kein Denkverbot von oben, sondern vielmehr so etwas wie eine vorauseilende Ängstlichkeit von unten. Es dürfte die CDU-Chefin übrigens freuen, dass wegen des AEK schon etliche Freunde Mitglied der Union geworden sind, also wieder oder neu dabei sind.

Deutschlandwoche: Es gibt Kreise in der CDU, die Ihnen vorwerfen, nicht ökumenisch zu denken sonder separatistisch.

Martin Lohmann: Solche Vorwürfe sind nachweislich falsch und fast schon bösartig. Doch sie fallen auf jene zurück, die sie erheben. Wir sind im AEK als überzeugte und engagierte Katholiken entschieden für eine lebendige Ökumene. Aber als Katholiken reden wir nun mal gerne und mit Überzeugung über das, wovon wir etwas verstehen. Es ist erstaunlich, wie wenig solche Kompetenz von manchem gewürdigt wird. Ökumene heißt übrigens, die Gemeinsamkeiten zu suchen und zu betonen und Trennendes in gelassener Toleranz auszuhalten. Genau so ist auch der ursprüngliche ökumenische Gedanke bei der Gründung der C-Parteien gewesen. Genau daran wollen wir uns halten und endlich eine ökumenische Lücke schließen, damit auch in der Union durch konfessionelle Begegnung auf Augenhöhe dieses ökumenische Miteinander möglich wird. Wer von einem fairen ökumenischen Austausch in der Union überfordert ist und uns deshalb faktenwidrig Falsches unterstellen will, handelt anti-ökumenisch.

Deutschlandwoche: Der AEK ist offen für Parteimitglieder und für Freunde der Union. Sind Sie auch offen für evangelische Freunde?

Martin Lohmann
: Ja, das sind wir tatsächlich! Wir sind mehrfach von engagierten evangelischen Christen gefragt worden, ob auch sie Mitglied im AEK werden können. Da wir ökumenisch offen sind, richten wir jetzt eine Gastmitgliedschaft für unsere evangelischen Freunde ein. Das Angebot zur Zusammenarbeit ist von einigen EAK-Aktiven freudig angenommen worden. Die entsprechenden Glückwünsche von EAK-Ortsgruppen haben uns sehr gefreut.

Kommentare

2 Responses to “Katholiken mischen CDU auf – AEK-Gründer Lohmann über Merkels Schweigen, Unwahrheiten von Rüttgers und ungebrochene Dialogbereitschaft”

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  2. Hans - Gerd Sextro on Februar 7th, 2010 19:10

    Es ist jetzt in der CDU wohl attraktiv, sich als Verfechter der Schwulen zu outen. Ich bin für Toleranz, aber deshalb muß ich meine Überzeugung nicht preisgeben. Was Frau Köhler sich in der “Tages Post” leistet, kann nur mit einem nicht mehr wählen beantwortet werden. Für mich unterstelle ich, dass ich ein Praktizierender Katholik bin und in meinem Alter (76) diese Partei nicht mehr verstehen und wählen kann. Wie kann so eine Politikerin noch Familie, geschweige meine pers Einstellung vertreten. Aber es geschieht uns recht, verkaufen und verraten wir unsere Überzeugung für ein Liesengericht. So wie es auch in weiten Kreisen der kirchlichen Hirachie gegenüber Papst und Lehramt. Die Rechnung wird uns, mir vielleicht nichtmehr, präsentiert. Aber es gibt eine Instanz, die verlangt Rechenschaft.
    LEIDER, wir verraten unsere Moral, politischer Vorteile willen. LEIDER!!!!

    mfg

    Hans – Gerd Sextro