Vor einer Woche habe ich endlich meine deutsche Einbürgerungsurkunde wiedergefunden. Jetzt kann ich meine
Ausbürgerung aus der Türkei beantragen. Ich will den türkischen Pass nicht mehr. Ich mache auf dem Papier Schluss mit dem Land meiner Herkunft. Wie konnte es so weit kommen?
Bisher gehörte ich zu den wenigen Türkinnen, die legal über eine doppelte Staatsangehörigkeit verfügen. Ich empfand das immer als Segen, keineswegs als Fluch. Es entsprach meiner transkulturellen Identität. Denn ich bin beides, deutsch und türkisch. Seit einer deutschen Gesetzesreform im Jahr 2000 ist es für Bürger der Türkei eine absolute Ausnahme, beide Staatsangehörigkeiten zu besitzen. Ich gebe also freiwillig ein Privileg auf. Nein, meine Motive sind nicht türkeifeindlich. Aber sie haben mit der politischen Lage in der Türkei zu tun, vor allem mit der Meinungs- und Pressefreiheit, die dort in den letzten Jahren eine besorgniserregende Einschränkung erfahren haben und von einer zunehmenden Islamisierung der gesamten Gesellschaft begleitet werden.


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