Was spricht gegen Schubladen?

Februar 7, 2010

Von Wolfgang Röhl

Was spricht eigentlich gegen Schubladendenken? Ist praktisch, spart Zeit. Eine ganze Menge Leute hat ja bequem in zwei, drei Dutzend Schubladen Platz. Was schon die Tatsache zeigt, dass man eine Bevölkerung von 80 Millionen mittels ein paar hundert sorgfältig ausgesuchter Interviewpersonen ziemlich zuverlässig einordnen kann, bezüglich Wahlverhalten, Konsumvorlieben, Wertevorstellungen, Sozialverhalten, Ängsten und so fort.

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Wie die “Welt” mit Walden umgeht

Januar 21, 2010

Von Ansgar Lange

Manchmal wundert man sich schon, wie ehemals konservative Zeitungen mit ihrem Erbe umgehen. Den jüngsten Beleg für übermäßige politische Korrektheit lieferte Sven Felix Kellerhoff in einem Artikel für die Tageszeitung Die Welt, in dem er über das „Archiv zur Revolte“ berichtete. Seit ein paar Tagen steht eine erste umfassende Auswertung der Berichterstattung der Springer-Blätter zur 68er-Revolte im Internet. Genau 5.655 Artikel aus den sieben wichtigsten Blättern des Verlages seien erfasst, rechnet der 1971 geborene Journalist und Sachbuchautor vor. Kellerhoff schreibt in der Welt: „Matthias Walden zum Beispiel, konservativer Gastkommentator, traf zwar ins Schwarze, als er am 7. Januar 1967 die Vorkämpfer der Studentenbewegung spitz ‚links vom Geist’ verortete. Doch zugleich überzog Walden seine Kritik bei Weitem, als er im selben Artikel die ‚physische Ungewaschenheit’ und die ‚vorsätzliche geistige Ungewaschenheit’ des ‚immatrikulierten Mobs’ geißelte. Auch in Karikaturen und Leserbriefen, die in der Welt abgedruckt wurden, finden sich jetzt dank der Datenbank nachvollziehbar Entgleisungen, die tatsächlich inakzeptabel sind.“ Was treibt die Welt an, Jahrzehnte nach 1968 einen publizistischen Wandel durch Anbiederung zu betreiben und dabei gleich mal ehemalige „Säulenheilige“ des Verlags mit einer kurzen gehässigen Bemerkung vom Sockel zu stoßen? Vielleicht sollte man zur Ehrenrettung ein paar Worte zu Walden verlieren, der anscheinend heute nicht mehr so hoch im Kurs bei einer Tageszeitung steht, für die mittlerweile etliche bekennende Linke und sogar frühere taz-Autorinnen zu Feder greifen. Mehr als nur „konservativer Gastkommentator“, also quasi eine zu vernachlässigende Größe oder ein Betriebsunfall des Springer-Verlags war der früh verstorbene Journalist allemal. [mehr...]

“Klimaschutz killt die Demokratie”

Dezember 14, 2009

“Wissenschaftler mischen sich zu sehr in die politische Debatte. Ihre Untergangsszenarien sind Wasser auf die Mühlen von Kapitalismuskritikern, die die Effizienz von Autokratien bewundern”. – Ein bemerkenswerter Essay von Ulli Kulke bei Welt Online.

Greenpeace und andere Action-Clowns: Mummenschanz mit Medienhelfern

Juli 7, 2009

Von Wolfgang Röhl

Der einfachste Job in Deutschland ist der des Greenpeace-Aktivisten. Man kann ihn auch dann ausüben, wenn man den Hauptschulabschluss vermasselt hat. Oder wenn das Studium der Sozialwissenschaften im 15. Semester zu öden beginnt. Benötigt wird etwas körperliche Fitness und der Drang, Gesetze zu übertreten. Fahrradkuriere willkommen! Man kraxelt irgendwo hoch, auf einen Strommast zum Beispiel, oder fährt mit einem Zodiac an ein Schiff heran. Befestigt dort eine riesige Parole (irgendwas mit Mütterlein Erde) und lässt sich dabei filmen und fotografieren. Schwupps, ist das Ganze am nächsten Tag in den Medien, und die Mädels in der Stammkneipe machen Augen. Tarzan lebt!

Risiken? Gleich null. Zwar ist das Ganze juristisch gesehen Hausfriedensbruch oder Ärgeres. Aber es gibt so gut wie nie was auf die Mütze, denn man rauscht ja immer mit einer Medienmeute im [mehr...]

Zur Islamisierung Europas

Juni 27, 2009

Von Astrid Meyer-Schubert

Essay aus “Die Neue Ordnung ” Nr. 3, Juni 2009

Die Frage, ob für Europa die Gefahr einer Islamisierung besteht oder nicht, läßt sich anhand der im Jahr 2008 gehaltenen Kölner Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan mit einem klaren Ja beantworten. Denn selten wurde in einer politischen Ansprache der Brennpunkt der Auseinandersetzung zwischen Abendland und Orient so offenbar wie in diesem Antiassimilierungsaufruf an die eigenen Landsleute. Daher kann auf diese Rede noch auf unabsehbare Zeit als Modellbeispiel zurückgegriffen werden, zumal entschiedene Reaktionen deutscher Politiker ausgeblieben sind.
Wieder einmal signalisierte Deutschland in dem Versäumnis eindeutiger politischer Akzentsetzungen eine Lähmung, die bei Beobachtern die Frage aufkommen läßt, inwieweit sich nicht nur die deutschsprachige, sondern überhaupt die europäische Kultur der Gefahr einer Islamisierung bewußt ist. [mehr...]

Tom Buhrow: So viel Biss wie ein entzahnter Tiger – laßt ihn kassieren, wenn er nur vom Schirm verschwindet!

Juni 24, 2009

Von Wolfgang Röhl

Es ist wohlfeil, sich über die lukrativen Nebentätigkeiten des ARD-Moderators Tom Buhrow zu echauffieren, wie sie vom Medienmagazin „Zapp“ auf NDR 3 jüngst enthüllt wurden. Ausgerechnet „Bild“, ansonsten auf der Dauershitliste von „Zapp“, brachte den Fall groß und bundesweit raus. Auf den Medienseiten der Blätter und in den Branchendiensten schlagen er und Artverwandtes seither Wellen. Auch die letzten nichtsnutzigen Publizistikprofessoren, die noch nicht einvernommen wurden, melden sich begeistert zu Wort, wenn Ethikgeraschel zur Causa B. nachgefragt wird. [mehr...]

Wolfgang Röhl über den “60.” von Orwells “1984″

Juni 11, 2009

Von Wolfgang Röhl

Vor sechzig Jahren, am 8. Juni 1949, erschien in London George Orwells Roman „Nineteen Eighty-Four“, vier Tage später in New York. Im ersten Jahr verkaufte er im Vereinigten Königreich 50 000 und in den USA rund 330 000 Hardcover. Wie viele Millionen bis heute gedruckt wurden, ist schwer zu sagen; wahrscheinlich eine zweistellige Zahl. Allein die Samisdat-Verbreitung – unter allen kommunistischen [mehr...]

Gudrun Eussner über Barack Obamas-Kairo-Rede

Juni 8, 2009

Vom derzeitigen Standort Barcelona:

US-Präsident Barack Hussein Obama hat sich in Cairo vor dem islamischen Teil der Welt verbeugt, hat versucht, Signale zu setzen. Einerseits neige ich dazu, ein wenig Verständnis zu zeigen, dass Obama die Dramaturgie über den Neuanfang reichlich übertrieben hat: Er bedient dabei den Inferioritätskomplex der islamischen Welt. Andererseits gehen meine Beobachtungen, wozu auch der tiefe, tiefe Bückling vor dem Saudi-König gehörte, dahin, dass ich da etwas Grundsätzliches vermisse: die klare, ehrliche Ansage. Das Bekenntis zu Israel und den Werten der freiheitlichen Gesellschaft kamen nicht so richtig rüber: Zu viel Kotau, zu wenig Klarheit. Man kann sich auch von falschen oder erratischen Entscheidungen distanzieren, ohne dass man den Eindruck erweckt, Positionen grundsätzlich in Frage zu stellen.

Die geschätzte Blogger-Freundin Dr. Gudrun Eussner hat Obamas Kairo-Rede analysiert und den Hintergrund ausgeleuchtet, wobei sie auch an gebrochene Versprechen erinnert. Da sie dem täglichen Broterwerb nicht mehr nachgehen muss, hat sie genügend Zeit, so etwas fundiert zu tum.

Gudrun Eussner ist immer gut für Denkanstöße. Hier also zu ihrer Analyse.

Wichtiger als die Kurras-Diskussion: Wie die DDR die Friedensbewegung manipulierte – von Anfang an

Juni 3, 2009

Von Wolfgang Röhl

Tut mir leid, aber der Fall Kurras interessiert mich nicht. Ob die Geschichte der Beh-Err-Deh anders verlaufen wäre, wenn der Ohnesorg-Erschießer beizeiten als Stasi-Hiwi enttarnt worden wäre? Womöglich schon vor dem Schuss, 1965 nämlich, als ihm der Verfassungsschutz schon mal auf der Spur gewesen sein soll? Wäre, hätte, könnte. Wer sich immer noch an derlei Hypothesen abarbeitet, darf meines herzhaften Gähnens sicher sein.

Wichtiger, finde ich, ist dies: schon lange, bevor Kurras abgedrückt hatte, musste man nicht bei einem Geheimdienst gewesen sein, um zu wissen, dass so genannte fortschrittliche Kreise des Westens im großen Stil von der illegalen KPD (die 1968 zur DKP umgetopft wurde) und ihren diversen Tarn- und Vorfeldorganisationen unterwandert waren und dass dadurch politische Stimmungen des Westens in einem ganz erstaunlichem Ausmaß beeinflusst wurden. Was sie, die fortschrittlichen Kreise, bis heute nicht wahrhaben wollen… [mehr...]

Für Joschka Fischers Frau und Wallraff bin ich gern die Schurnalistensau, die Günni schamlos ausgenutzt hat

Mai 17, 2009

Von Wolfgang Röhl

Es gibt Nachrichten, die klingen so, als habe man versehentlich eine Website vom 1. April aufgerufen. Da ist man total baff, wie dieser Typ am Strand, als 007 in einem der frühen Bond-Filme mit dem Unterwasserauto auftaucht. So ging es mir gestern, als ich diese Meldung in der „Münsterländischen Volkszeitung“ las:

„Die Produzenten Minu Barati-Fischer und Dirk Eggers planen einen Kinofilm über Günter Wallraff. Schwerpunkt soll die risikoreichste Aktion des Enthüllungsjournalisten sein. 1974 nahm Wallraff als Grieche verkleidet in Athen an den Demonstrationen gegen die damals herrschende Militärdiktatur teil. Er wurde gefangen genommen und gefoltert. Regie führt Lars Montag, wie die Jooyaa Filmproduktion Berlin mitteilte.“

Minu Dingsbums-Fischer! Das ist doch…genau! Nämlich die fünfte Gattin (oder die neunte? Habe vor Jahren das „Bunte“-Lesen aufgegeben) von Joseph dem Bullenschubser, the man formerly known as [mehr...]

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