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	<title>Deutschlandwoche &#187; Essays</title>
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		<title>Was spricht gegen Schubladen?</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 21:45:49 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Von Wolfgang Röhl Was spricht eigentlich gegen Schubladendenken? Ist praktisch, spart Zeit. Eine ganze Menge Leute hat ja bequem in zwei, drei Dutzend Schubladen Platz. Was schon die Tatsache zeigt, dass man eine Bevölkerung von 80 Millionen mittels ein paar hundert sorgfältig ausgesuchter Interviewpersonen ziemlich zuverlässig einordnen kann, bezüglich Wahlverhalten, Konsumvorlieben, Wertevorstellungen, Sozialverhalten, Ängsten und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2010/02/roehl-wolfgang.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-11745" title="roehl-wolfgang" src="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2010/02/roehl-wolfgang.jpg" alt="" /></a>Von Wolfgang Röhl</p>
<p>Was spricht eigentlich gegen Schubladendenken? Ist praktisch, spart Zeit. Eine ganze Menge Leute hat ja bequem in zwei, drei Dutzend Schubladen Platz. Was schon die Tatsache zeigt, dass man eine Bevölkerung von 80 Millionen mittels ein paar hundert sorgfältig ausgesuchter Interviewpersonen ziemlich zuverlässig einordnen kann, bezüglich Wahlverhalten, Konsumvorlieben, Wertevorstellungen, Sozialverhalten, Ängsten und so fort.</p>
<p><a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/simplify_your_life_ein_lob_der_schublade/" target="_blank"><strong>Weiter hier</strong></a>.</p>
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		<title>Wie die &#8220;Welt&#8221; mit Walden umgeht</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 20:42:01 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Von Ansgar Lange Manchmal wundert man sich schon, wie ehemals konservative Zeitungen mit ihrem Erbe umgehen. Den jüngsten Beleg für übermäßige politische Korrektheit lieferte Sven Felix Kellerhoff in einem Artikel für die Tageszeitung Die Welt, in dem er über das „Archiv zur Revolte“ berichtete. Seit ein paar Tagen steht eine erste umfassende Auswertung der Berichterstattung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2010/01/ansgar-lange-april-20082.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-11567" title="ansgar-lange-april-20082" src="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2010/01/ansgar-lange-april-20082.jpg" alt="" width="77" height="103" /></a>Von Ansgar Lange</p>
<p>Manchmal wundert man sich schon, wie ehemals konservative Zeitungen mit ihrem Erbe umgehen. Den jüngsten Beleg für übermäßige politische Korrektheit lieferte Sven Felix Kellerhoff in einem Artikel für die Tageszeitung Die Welt, in dem er über das „Archiv zur Revolte“ berichtete. Seit ein paar Tagen steht eine erste umfassende Auswertung der Berichterstattung der Springer-Blätter zur 68er-Revolte im Internet. Genau 5.655 Artikel aus den sieben wichtigsten Blättern des Verlages seien erfasst, rechnet der 1971 geborene Journalist und Sachbuchautor vor. Kellerhoff schreibt in der Welt: „Matthias Walden zum Beispiel, konservativer Gastkommentator, traf zwar ins Schwarze, als er am 7. Januar 1967 die Vorkämpfer der Studentenbewegung spitz ‚links vom Geist’ verortete. Doch zugleich überzog Walden seine Kritik bei Weitem, als er im selben Artikel die ‚physische Ungewaschenheit’ und die ‚vorsätzliche geistige Ungewaschenheit’ des ‚immatrikulierten Mobs’ geißelte. Auch in Karikaturen und Leserbriefen, die in der Welt abgedruckt wurden, finden sich jetzt dank der Datenbank nachvollziehbar Entgleisungen, die tatsächlich inakzeptabel sind.“ Was treibt die Welt an, Jahrzehnte nach 1968 einen publizistischen Wandel durch Anbiederung zu betreiben und dabei gleich mal ehemalige „Säulenheilige“ des Verlags mit einer kurzen gehässigen Bemerkung vom Sockel zu stoßen? Vielleicht sollte man zur Ehrenrettung ein paar Worte zu Walden verlieren, der anscheinend heute nicht mehr so hoch im Kurs bei einer Tageszeitung steht, für die mittlerweile etliche bekennende Linke und sogar frühere taz-Autorinnen zu Feder greifen. Mehr als nur „konservativer Gastkommentator“, also quasi eine zu vernachlässigende Größe oder ein Betriebsunfall des Springer-Verlags war der früh verstorbene Journalist allemal.<span id="more-11566"></span></p>
<p>Walden wurde am 16. Mai 1927 in Dresden als Otto Baron von Sass geboren. Er wuchs in einem streng antinazistischen Elternhaus auf. Kein Wunder, dass er als junger Journalist die neue Unfreiheit in der Ostzone nicht ertrug und 1950 in den Westen floh. Zum Schutz der zurückgebliebenen Eltern nahm er das Pseudonym Matthias Walden an. Diejenigen, die sich heute noch an den Publizisten Walden erinnern, werden ihn mit dem Springer-Verlag in Verbindung bringen. Und in der Tat, bis zu seinem Tod schrieb er für fast alle wichtigen Erzeugnisse des Verlags und war von Axel Springer zum Nachfolger ausersehen worden. Eine heimtückische Krebserkrankung machte diese Nachfolgeregelung zunichte.</p>
<p>Springer hätte Walden schon in den sechziger Jahren gern als festen Mitarbeiter gewonnen. Dieser dachte aber vor allem an seine treuen Zuhörer in der „Zone&#8221;, die seinen Radiokommentaren lauschten, um etwas vom Wert der Freiheit und der Einheit zu hören. Wenn Walden sprach, waren die Straßen buchstäblich leergefegt. In West-Berlin arbeitete er zunächst sechs Jahre lang als Redakteur und Kommentator beim RIAS. 1956 ging er dann zum SFB, wo er als stellvertretender Chefredakteur und dann als Chefkommentator wirkte. Der zunehmende Linkstrend des SFB, der ihm die Tätigkeit Ende der 70er Jahre unmöglich machte, führte ihn dann endgültig zum Springer-Verlag. Er wurde Mitherausgeber der Welt und schließlich alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer und Springers Stellvertreter als Vorsitzender der Geschäftsführerkonferenz.</p>
<p>In den 50er Jahren handelte man Walden als „Linken&#8221; ab, weil er gegen einige braune Umtriebe in der Bundesrepublik mit der Schreibmaschine ankämpfte. Konrad Adenauers Haltung gegenüber ehemaligen Parteigenossen in Justiz, Armee und auch in der Politik fiel nicht gerade „pingelig&#8221; aus. Für Walden war aber stets klar: Zwischen dem roten und dem braunen Totalitarismus gibt es höchstens einen akademischen Unterschied. Für die Opfer dieser Ideologien sei es nebensächlich, ob sie wegen Hitlers Rassenlehre oder der kommunistischen Heilslehre ermordet worden seien. Seine frühe Kritik an der Bundesrepublik lautet: „Es gibt zu wenige Anti-Nazis&#8221;. Die Vorwürfe des vermeintlich antifaschistischen Arbeiter- und Bauern-Staates, wonach die Bundesrepublik von Nazis bevölkert sei, hielt er hingegen für böswillige Propaganda.</p>
<p>In den 60er, 70er und 80er Jahre sahen viele Linke in Walden einen &#8220;Rechten&#8221;. Dies lag aber vor allem darin begründet, dass sich das politische Koordinatensystem im westlichen Deutschland stark nach links verschoben hatte. Walden ließ sich aber auch nicht den Mund verbieten, als sein Antikommunismus auf einmal nicht mehr schick war. Er bekämpfte die östlichen Tyranneien weiterhin mit der Kraft des Wortes. Dass ihm der heutige EU-Obermoralist „Dany&#8221; Cohn-Bendit nach einer Fernsehdiskussion den Handschlag verweigerte, kann noch als schlechte Kinderstube durchgehen. Dass die Familie über eine Geheimnummer verfügte und es eine Art Geheimausgang vom Waldenschen Reihenhaus ins Nachbarhaus gab und Springer-Redakteure bedroht wurden, sagt jedoch viel über die Diskussionskultur der angeblich so antiautoritären und anti-repressiven Linken in unserem Lande aus. Ein Mann wie Walden wirkte zur Zeit der Studentenproteste, des Links-Terrorismus und der betont pragmatischen neuen Ost- und Deutschlandpolitik für viele wie ein Fossil. Insbesondere im Kreis seiner journalistischen Kollegen verfügten wenige über sein Rückgrat und seine Standfestigkeit.</p>
<p>Anders als seine linken Kritiker kann Matthias Walden als Moralist bezeichnet werden. Er war kein zynischer Macht- oder Realpolitiker. Ihm ging es zuallererst immer um die Menschenrechte. Die Freiheit Berlins, die Einheit Deutschlands, die transatlantische Partnerschaft, ein enges Vertrauensverhältnis zu Israel, ein wehrhafter Antitotalitarismus, der Wert von Arbeit und Leistung, der Glaube an Gott, der einem innere Sicherheit verleiht: Das waren Waldens Hauptthemen, die er immer wieder variierte. Dabei war Walden ein Stilist von hohen Graden und immer um Klarheit und Verständlichkeit bemüht. Seine bilderreiche Sprache traf den richtigen Ton, ganz gleich, ob er nun Kommentare für den Rundfunk sprach oder für die Bild, die Welt, Welt am Sonntag oder Quick schreibt und für Hörzu, Prominente wie porträtierte.</p>
<p>Wahrscheinlich kann man Matthias Walden heute besser verstehen als zur Zeit seines Todes. Nicht die ostpolitischen Leisetreter, die spätestens in den 70er Jahren den festen Glauben an die Wiedervereinigung als Lebenslüge oder nationalistische Verirrung denunzieren wollten, sind von der Geschichte bestätigt worden, sondern mutige und unbeugsame Menschen wie Matthias Walden, der über die geteilte Nation sagte: „Die Teilung Deutschlands ist ein Unrecht. Deshalb bleibt die deutsche Frage offen, deren Antwort nicht die Zweistaatlichkeit, sondern nur die Einheit in Freiheit sein kann. Wer die deutsche Frage für nicht mehr offen erklärt, gibt eine verräterische, eine kleinmütige Antwort, die sich vor dem Unrecht beugt.&#8221; Auch über 25 Jahre nach seinem Tod wäre es gut, wenn in der Tageszeitung Die Welt angemessener und würdevoller über eine ihrer früheren Edelfedern geschrieben und geurteilt würde.</p>
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		<title>&#8220;Klimaschutz killt die Demokratie&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 11:13:32 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Wissenschaftler mischen sich zu sehr in die politische Debatte. Ihre Untergangsszenarien sind Wasser auf die Mühlen von Kapitalismuskritikern, die die Effizienz von Autokratien bewundern&#8221;. &#8211; Ein bemerkenswerter Essay von <a href="http://www.welt.de/die-welt/debatte/article5522705/Klimaschutz-killt-die-Demokratie.html" target="_blank"><strong>Ulli Kulke</strong></a> bei Welt Online.</p>
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		<title>Greenpeace und andere Action-Clowns: Mummenschanz mit Medienhelfern</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 14:31:46 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Von Wolfgang Röhl Der einfachste Job in Deutschland ist der des Greenpeace-Aktivisten. Man kann ihn auch dann ausüben, wenn man den Hauptschulabschluss vermasselt hat. Oder wenn das Studium der Sozialwissenschaften im 15. Semester zu öden beginnt. Benötigt wird etwas körperliche Fitness und der Drang, Gesetze zu übertreten. Fahrradkuriere willkommen! Man kraxelt irgendwo hoch, auf einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/07/roehl-wolfgang.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-9780" title="roehl-wolfgang" src="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/07/roehl-wolfgang.jpg" alt="" /></a> Von Wolfgang Röhl</p>
<p>Der einfachste Job in Deutschland ist der des Greenpeace-Aktivisten. Man kann ihn auch dann ausüben, wenn man den Hauptschulabschluss vermasselt hat. Oder wenn das Studium der Sozialwissenschaften im 15. Semester zu öden beginnt. Benötigt wird etwas körperliche Fitness und der Drang, Gesetze zu übertreten. Fahrradkuriere willkommen! Man kraxelt irgendwo hoch, auf einen Strommast zum Beispiel, oder fährt mit einem Zodiac an ein Schiff heran. Befestigt dort eine riesige Parole (irgendwas mit Mütterlein Erde) und lässt sich dabei filmen und fotografieren. Schwupps, ist das Ganze am nächsten Tag in den Medien, und die Mädels in der Stammkneipe machen Augen. Tarzan lebt!</p>
<p>Risiken? Gleich null. Zwar ist das Ganze juristisch gesehen Hausfriedensbruch oder Ärgeres. Aber es gibt so gut wie nie was auf die Mütze, denn man rauscht ja immer mit einer Medienmeute im <span id="more-9779"></span>Schlepptau an. Kein Energiekonzern, keine Reederei sind so blöd, den grünen Heroen von konzerneigenen Sicherheitsleuten ein Leid antun zu lassen &#8211; das wäre erst recht Negativ-PR. Die Bullen? Halten sich in solchen Fällen immer zurück, wollen ja nicht als Hiwis der Weltzerstörer dastehen.</p>
<p>Wie prima sich solche Aktionen auszahlen, hat das Bildermagazin „View“ in seiner Juli-Ausgabe dokumentiert…</p>
<p>„View“ veröffentlicht jeden Monat eine von der dpa zusammengestellte Liste der meistgedruckten Pressefotos. Im Juni kam (neben einem Bergungsfoto des abgestürzten Air France-Airbus, einer Archivaufnahme vom Kurras-Prozess, dem Obama-Auftritt in Kairo und anderem) auch ein Gruppenbild mit 20 Greenpeaceniks die Hall of Fame des Fotojournalismus. Die Teufelskerle standen entspannt auf der Kuppel des niedersächsischen AKW Unterweser, welches ja nicht gerade die Eigernordwand simuliert. Dort hatten sie ein Transparent mit der Aufschrift „Atomkraft schadet Deutschland“ entrollt, und schon am selben Abend waren sie in der „Tagesschau“. Supi gelaufen! Und das mit einer Botschaft, die so beweisträchtig ist wie „Tütensuppen schlagen auf die Potenz“. Bei Greenpeace knallten mal wieder die Bionade-Kronenkorken.</p>
<p>Bilder sind was für Leute, die es nicht so mit dem Denken haben. Bilder sind wirkungsmächtiger als jeder Text. Jeder abgelichtete Mummenschanz , wenn er nur oft genug auf Sendung ist oder in den Gazetten gedruckt wird, entfaltet einen Zauber, gegen den jeder Gedanke, jedes Argument machtlos ist. Frage ist, wie schafft es eine K-Sekten-ähnliche Vereinigung, die keinerlei demokratisches Mandat besitzt und sich immer wieder fachlich bis auf die Knochen diskreditiert hat (zum Beispiel im Fall der Ölplattform Brent Spar), die dazu alle Naslang in Skandale verstrickt ist (etwa die Lidl/Greepeace-Magazinaffäre), wie schafft so eine Truppe es in alle Medien?  Warum erfreuen sich auch andere Action-Clowns, wie die von Robin Wood oder Attac, bei der Schurnallje großer Beliebtheit?</p>
<p>Ich habe den Verdacht, es handelt sich hier um Ablassgeschäfte von der Art, wie sie vor der Reformation en vogue waren. Die heute im Medienzirkus den Ton angeben, sind mit dem Wir-haben-die-Erde-nur-von-unseren Kindern-geliehen-Kitsch, dem Häuptling Seattle-Sprüche-Stuss, dem Quatsch vom Flügelschlag des Schmetterlings, der einen Orkan auslöst, also mit dem vollen Programm der furchtbaren Siebziger groß geworden. Heute hocken sie mit gelegentlich schlechtem Gewissen auf gut dotierten Sesseln, düsen in der Welt umher und fahren dicke Dienstwagen, die sie in den Tiefgaragen ihrer Verlagshäuser und Sendeanstalten verstecken.</p>
<p>Ja, es gibt da zum Beispiel die Leistungsträger einer hochgradig um den Planeten besorgten Publikation, welche auf geduldigem Papier ständig um niedrigere CO2-Emissionen barmen und das Wörtchen „nachhaltig“ noch im Schlaf in dreizehn Sprachen rückwärts buchstabieren könnten, die nichtsdestotrotz dicke Dienst-SUVs eines schwedischen Herstellers chauffieren. Übrigens, haben Sie mal in Wiesbaden und Umgebung eines der hierzulande seltenen, schweren Audi-A8-Modelle gesichtet? In dem so genannten Kanzler-Fahrzeug (ab 280 PS) saß bestimmt ein ZDF-Häuptling auf dem Rücksitz und dachte gerade über die neueste Öko-Kampagne seines Kuschelsenders nach. Und überlegte, ob „Frontal 21“ nicht mal über die Umwelt-Säue berichten sollte, die heutzutage noch Spritschleudern kaufen.</p>
<p>Wasser predigen und Chateau Lafitte trinken. Zu Sühnezwecken jazzen solche Schizos jede öde Schornsteinbesteigung zum todesverachtenden Akt der Weltrettung hoch. Bitte, nichts gegen SUVs oder den fabelhaften Achter-Audi. Die Erde wird an solchen Vehikeln keineswegs zugrunde gehen. Aber etwas schwummerig kann einem schon werden, wenn man die Fahrer betrachtet. Nachbar, Euren Speikübel.</p>
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		<title>Zur Islamisierung Europas</title>
		<link>http://www.deutschlandwoche.de/2009/06/27/die-gefahr-der-islamisierung-in-europa/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 08:02:45 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Von Astrid Meyer-Schubert Essay aus &#8220;Die Neue Ordnung &#8221; Nr. 3, Juni 2009 Die Frage, ob für Europa die Gefahr einer Islamisierung besteht oder nicht, läßt sich anhand der im Jahr 2008 gehaltenen Kölner Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan mit einem klaren Ja beantworten. Denn selten wurde in einer politischen Ansprache der Brennpunkt der Auseinandersetzung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von Astrid Meyer-Schubert</strong></p>
<p>Essay aus &#8220;<a href="http://www.die-neue-ordnung.de/" target="_blank"><strong>Die Neue Ordnung</strong></a> &#8221; Nr. 3, Juni 2009</p>
<p>Die Frage, ob für Europa die Gefahr einer Islamisierung besteht oder nicht, läßt sich anhand der im Jahr 2008 gehaltenen <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E178626BF28124E228422B88C2D97A5A7~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank"><strong>Kölner Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan</strong></a> mit einem klaren Ja beantworten. Denn selten wurde in einer politischen Ansprache der Brennpunkt der Auseinandersetzung zwischen Abendland und Orient so offenbar wie in diesem Antiassimilierungsaufruf an die eigenen Landsleute. Daher kann auf diese Rede noch auf unabsehbare Zeit als Modellbeispiel zurückgegriffen werden, zumal entschiedene Reaktionen deutscher Politiker ausgeblieben sind.<br />
Wieder einmal signalisierte Deutschland in dem Versäumnis eindeutiger politischer Akzentsetzungen eine Lähmung, die bei Beobachtern die Frage aufkommen läßt, inwieweit sich nicht nur die deutschsprachige, sondern überhaupt die europäische Kultur der Gefahr einer Islamisierung bewußt ist.<span id="more-9680"></span></p>
<p>Wer hier antwortet, es handle sich um Paranoia oder Panikmache, möge sich darüber im Klaren sein, daß es ein Verantwortungsbewußtsein den nächsten Generationen gegenüber gibt und frage sich, ob unsere Kinder eines zukünftigen Tages noch die politischen und sozialen Probleme friedlich zu lösen imstande sein werden, die wir hier und heute schaffen. Der sich als ‚guter Mensch’ gefallende Deutsche oder Österreicher öffnet irrigerweise gern seine Grenzen und übersieht dabei die Möglichkeit eines einziehenden trojanischen Pferdes, das seine Enkel und Urenkel in dramatische Verwirrungen stürzen könnte. Wehren wir also den Anfängen und beschwören nicht die nächste politische Katastrophe herauf. Während der Jugendkrawalle in Frankreich machten Islamisten den Vorschlag, Mullahs mit den Jugendlichen reden zu lassen, denn nur sie würden bei ihnen Gehör finden. In den Niederlanden wurde der Regisseur Theo van Gogh ermordet, Ajaan Hirsi Ali muß sich noch immer verstecken. Die Engländer und Spanier leben in ständiger Angst vor neuen Anschlägen, während der deutschsprachige Bereich bisher zwar verschont blieb, die Justiz in Deutschland sich aber immer wieder mit innermuslimischen Ehrenmorden konfrontiert sieht. Bisher jedoch scheint allein Dänemark zu erkennen, daß islamistische Zuwanderer einer Integration schwer zugänglich sind. Der Bau einer unverhältnismäßig großen Moschee mit zwei Minaretten mitten in Köln/Ehrenfeld ist recht unpassend in einem Augenblick, wo zur Diskussion gestellt werden muß, ob der Islam überhaupt in demokratische Gesellschaften integrierbar ist. Desgleichen existiert im österreichischen Vorarlberg das Problem, ihn in Form von Moscheen und Friedhöfen zu institutionalisieren. In Österreichs Universitäten dürfen Musliminnen mit Kopftuch islamische Religionspädagogik studieren, was paradoxerweise sogar in Ankara bis vor kurzem noch aufgrund des laizistischen Anspruchs verboten war und es einzelne Rektoren an türkischen Universitäten noch immer untersagen. Soll man demnächst die Matura in Türkisch machen dürfen und dabei Deutsch als Fremdsprache wählen können, so perfektionieren wir morgen jedes Migrantenkind im Kindergarten in seiner Heimatsprache, um ihm anschließend die deutsche Sprache beizubringen (neuerdings geistert die ‚Erkenntnis’ herum, daß nur derjenige für eine Fremdsprache tauglich sei, der in der Muttersprache gefestigt ist). Für deutsche und österreichische Lehramtskandidaten stehen eines Tages Türkisch und andere Immigrantensprachen als Pflichtfächer auf ihren Studienplänen, damit sie auch die Kinder der Migranten zufriedenstellend zu unterrichten wissen. Und übermorgen sehen wir uns vielleicht noch mit der Forderung islamischer Religionsgemeinschaften konfrontiert, in den jeweiligen Heimatsprachen den Koran zu vermitteln. Aber dies alles tun wir doch gern, weil wir vom ‚Duft der anatolischen Erde’ (siehe Erdogan-Rede) so benommen sind, daß wir offensichtlich jede eigene Argumentationsbasis verloren haben. Die Asylpolitik der neunziger Jahre scheint in dieser Bewußtseinstrübung zustande gekommen zu sein Das derzeitige gesellschaftspolitische Handeln bezüglich der Migration wird vom „Gutmenschen“ geprägt und ist in seiner Verantwortungslosigkeit kaum noch zu überbieten. Diese Bezeichnung für den tonangebenden politischen Mainstream ist deshalb so treffend, weil hier ein Bild von Österreichern und Deutschen gezeichnet wird, das stark darauf bedacht ist, nicht in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt zu werden und sich so offen und menschenfreundlich wie nur möglich zu zeigen. Der deutschsprachige Bereich hat schwer am nationalsozialistischen Erbe zu tragen. Deshalb darf sich aber politisches Verhalten nicht auf eine völlige Ausschaltung eines Feindbildes bezüglich anderer Kulturen hin extremisieren. Eine Verdrehung des Opfer/Täterverhältnisses besteht, wenn das negative Handeln des kulturell Anderen allein als Re-Aktion auf unsere Integrationspolitik gedeutet wird. Das Ignorieren der Möglichkeit einer Nichtintegrierbarkeit zumindest des Islam ist weder eine realistische Art der Politik noch der Vergangenheitsbewältigung. Auch ruft die politische Einteilung in links und rechts zum Nachdenken auf, weil dadurch die Mitte zum Schweigen gebracht wird. Schon demjenigen, der es wagt, sich kritisch zur Migrantenpolitik zu äußern, wird Mißtrauen entgegengebracht und faschistoides Verhalten unterstellt. Hinter einer Toleranz dem Islam gegenüber verstecken sich deshalb nicht nur selbstgerechte ‚Guttaten’, sondern ebenso Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit und Furcht, gegen die vom Mainstream diktierte Islamfreundlichkeit aufzubegehren. Wer dagegen ist, wird moralisch abgekanzelt und als ‚Unmensch, Kleingeist oder Germanisierer’ stigmatisiert. Die Politik des „Gutmenschen“ jedoch, die in ihrer Radikalität in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts begonnen hat, nimmt Formen an, denen in ihrer schrankenlosen Ausgestaltung Einhalt geboten werden muß. Die Psyche des „Gutmenschen“ arbeitet folgendermaßen: Um ganz anders zu sein als der &#8220;Bösmensch“, macht er genau das Gegenteil von dem, was dieser tun würde und landet damit im anderen Extrem. Das Gefühl der Fremdheit z.B., welches in der Begegnung mit dem unbekannten anderen ein Unbehagen aufkommen läßt und deshalb Vorsicht gebietet, wird rational übersprungen. An seine Stelle tritt eine durch Selbstsuggestion hervorgerufene Sympathie, welche sich durch überzogene Positiv-Emotionalität selbst rechtfertigt. Der mangelhafte Realitätssinn der Fremdenproblematik gegenüber nährt beim politischen Beobachter den Verdacht, der „Gutmensch“ sei nur die Kehrseite des so oft beschimpften „Bösmenschen“. Andersartige Kulturen, eine andere Religion werden in Wahrheit nicht als ‚anders’ wahrgenommen, sondern der Ideologie der von Natur aus friedliebenden Menschheit einverleibt. Die Vorstellung einer Multikulturalität entspringt dieser schwärmerischen Projektion, welche sich über den realen Boden von Tatsachen hinwegsetzt, das andere durch falsch verstandene Toleranz und vermeintlich eigenes Gutsein unbewältigt läßt und damit unlösbare Probleme schafft. Nur ein Argument, das z.B. gegen eine unkritische Etablierung des Islam innerhalb unseres Kulturkreises spricht, ist dasjenige der Organisation des Raumes. Ist Europa vom Christentum und von der Aufklärung geprägt, so läßt es sich innerhalb dieses Europas (oder in diesem speziellen Fall Deutschland) nicht in enger Nachbarschaft mit einer alles überragenden Moschee und zwei Minaretten leben, von denen aus die Muezzin fünfmal täglich Muslime und Musliminnen zum Gebet rufen. Der Islam fordert ganz andere Zeitrhythmen und Lebenszusammenhänge als unser Kulturraum es ihm bieten kann. Die deutschen und europäischen Anwohner wiederum werden sich fünfmal am Tag in ihren Tagesabläufen gestört fühlen, was unabsehbare Aggressionen hervorrufen wird. Wenn der „Gutmensch“ also meint, seine Toleranz und freiere Gesellschaftsform seien ausreichende Garanten dafür, um auf Dauer friedlich leben zu können, so ist es seinem Größenwahn zuzuschreiben, anzunehmen, der andere, d.h. seine eigene Kultur beibehaltende Fremde, würde ihm dafür Anerkennung entgegenbringen. Von sich als einem Wohltäter der Menschheit überzeugt, neigt er in Verkennung der Realität zu gefährlicher Selbstüberschätzung. Und dieses macht auch das Unbehagen der schweigenden Mitte aus, die sich zwischen dem Selbstbetrug des „Gutmenschen“ und der realen Gefahr eines schleichenden Islamismus positioniert sieht. Sie erkennt ganz deutlich, jenseits romantischer Verklärungen, die Verachtung, mit der uns Islamisten – und auch die friedliebenden – begegnen. Denn es ist eben nicht so, daß sie unsere Kultur akzeptieren – sie verachten sie vielmehr als eine von dekadentem Verhalten geprägte Welt, nutzen aber gern den Sozialstaat, weil er ihnen Freiheiten, Sicherheiten und einen gewissen Wohlstand garantiert, also all das, was ihre Heimatländer nicht bieten können. Auch wenn der friedliebende Durchschnittsislamist unauffällig und weitgehend politisch uninteressiert unter den Europäern lebt, heißt es nicht, daß seine Kinder, die im islamischen Selbstverständnis aufwachsen, es genauso tun werden. Die relativ autoritätsfreien gesellschaftlichen Strukturen der westlichen Zivilisation, die Anerkennung der Frau als selbstbestimmtes menschliches Wesen, die Aufwertung des Einzelnen in seiner Individualität, im Gegenzug dazu aber auch die Auflösung der Familienstrukturen, der Exhibitionismus unserer Körper, der Sexualitätswahn, die Gottlosigkeit und z.B. der mangelnde Ehrbegriff, der dem islamisch denkenden Menschen so wichtig ist, müssen ihn nach anfänglicher Verwirrung schließlich zur Verachtung und damit noch tiefer in sein religiöses Denken treiben. Spätestens Erdogans Rede und der Beifall seiner Landsleute sollten zum Nachdenken über unsere kulturelle Identität zwingen, die wir der islamistischen ohne Selbsterniedrigung entgegen setzen können.</p>
<p><strong>Die Gefahr europäischer Selbstschwächung</strong></p>
<p>Die Freiheiten und Sicherheiten des individuellen und sozialen Denkens sind Errungenschaften einer auf der Basis christlicher Religion ermöglichten aufgeklärten Kultur. Dem in der Geschichte zeitweilig unmenschlich gewordenen und sich von seinem Glaubenskern entfernenden Christentum wurde durch die Mithilfe des Protestantismus ermöglichte Aufklärung Einhalt geboten, der einzelne zur Eigenverantwortlichkeit angehalten, Religion und Staat getrennt. Daß ein jeder dann auch wiederum nach seiner eigenen Façon selig werden darf, wird nun von Islamisten weidlich ausgenutzt, obwohl sie selbst von ihrer Religion her diese Trennung letztlich ausschließen.</p>
<p>Hier aber liegt die Lähmung des aufgeklärten Staates. Er gibt nur den Rahmen menschlichen Handelns vor, vermittelt aber keine Inhalte. Der Staat hat allein regelnde Funktion. Die Frage des Menschen nach einem übergeordneten Sinn seines Handelns, das Warum und Wofür menschlichen Leidens können Religionen und philosophische Systeme beantworten und den notwendigen Trost spenden. Die metaphysische Inhaltsleere unserer ökonomisch diktierten und aufgeklärten Welt wittern andere Kulturen wie der Islam und versuchen, diese Lücke auszufüllen. So werden wir nicht nur mit einer gewaltbereiten muslimischen Jugend konfrontiert, sondern üb erhaupt mit zugewanderten Moslems, die sich erst bei uns radikalisieren. Von Demokratie und Luxus angezogen, waren sie anfangs sogar bereit, sich einzugliedern, erkannten dann aber die Sinnleere unserer materialistisch orientierten Welt. Die Anforderungen der Aufklärung wie Vernunft, Freiheit, Rechtsstaat und Individualismus, welche Mündigkeit und verantwortungsvolles Selbstdenken voraussetzen, sind schwer zu erfüllen und fordern den Einzelnen sowie die Gemeinschaft tagtäglich heraus, so bewußt wie nur möglich im Umgang mit Emotionen zu leben. Welch hoher Anspruch hier an den handelnden Menschen gestellt wird, der mit der Aufklärung den obersten Rang im Denken einnehmen soll und wie schwer an diese Zielsetzung heranzukommen ist, zeigt uns die europäische und deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts.</p>
<p>Um der aufklärerischen Zermalmung traditioneller Werte zu entkommen, entstand in Europa vor mehr als zwei Jahrhunderten die Bewegung der Romantik. Sie warf der Aufklärung vor, sich von Nützlichkeitserwägungen und ökonomischen Prinzipien leiten zu lassen und versuchte, der ihrer Ansicht nach abtötenden Vernunft Lebendigkeit entgegenzusetzen, die sie im ‚Reiz des Lebens auf der Unbegreiflichkeit, auf dem Geheimnis’ (A.W. Schlegel) beruhend fand, und damit die Poesie, die Leidenschaft und die Sinnlichkeit propagierte. Gefühl und Ergriffenheit sollten wieder mehr zu Wort kommen, später auch Politik und Machtausübung ästhetischer und schöpferischer werden. Diese Vernunftmüdigkeit und die Forderung nach mehr Phantasie und Leidenschaft waren allerdings Mitgrund für die größten politischen Radikalisierungen des 19./20. Jahrhunderts. Nationalismus und ‚wissenschaftlich’ untermauerte Sozialromantik führten zu Nationalsozialismus und Marxismus. Beide waren unter anderem auch politische Reaktionen auf eine kalte und inhaltsleere kapitalistische, sich an der Ware mehr als an sinnvollen Werten orientierenden Welt. Die einen wollten mit den Worten Nation und Rasse Identität verleihen, die anderen der ökonomischen Ausbeutung der Menschen Einhalt gebieten und unter der Rousseauschen Prämisse des von Natur aus guten Menschen mit einer nicht-entfremdenden Ökonomie eine humanere Welt schaffen. Doch weder gelang den Nationalsozialisten die Heranzüchtung des starken &#8211; noch den Kommunisten mit ihrer scheinbar menschlicheren Gesellschaftsvorstellung die Konstruktion des klassenlosen Menschen. Während der Nationalsozialismus den Holocaust herbeiführte, verkannte der Marxismus die gierige Natur des Menschen und endete in Terror und Diktatur. Heute müssen wir zur Kenntnis nehmen, daß beide Ideologien gescheitert sind. Erstere hat im deutschsprachigen Raum Europas so viel Verwirrung gestiftet, daß die in ihm lebenden Menschen nicht mehr zwischen gut und böse, richtig und falsch zu unterscheiden wissen. Gefangen in einem Knäuel aus Schuldgefühlen und Wiedergutmachungsversuchen, verliert der „Gutmensch“, indem er allem und jedem Asyl gewährt, sein Verhältnis zur politischen Realität und öffnet unsere Tore dem Trojanischen Pferd. Die Selbstschwächung unserer westlichen Welt besteht zweifellos in der durch die Aufklärung eingeleiteten Sinnkrise, wobei man hier zwischen einer Verantwortungs-und Aufdeckungsaufklärung unterscheiden muß. Während erstere Werte setzt, erzeugt die zweite neben Emanzipation aber auch Unterhöhlung. Wenn wir als Beispiele der letzteren die Philosophie Feuerbachs und die Psychoanalyse nehmen, welche das Bild Gottes als menschliche und sexuelle Projektion herausarbeiten, so kann sie mit ihrer Entwertung übernatürlicher Entitäten durch die Rückführung auf menschliche Phantasien zwar helfen, die einseitig männlich besetzte Bildlichkeit Gottes kritisch zu hinterfragen, führt aber doch wieder als psychoanalytische Entblätterungswissenschaft zu Inhaltslosigkeit. Damit verliert sich der europäische Mensch im Sumpf der Sexualität, in der Blödigkeit bloß ästhetischer Körperlichkeit, im radikalen Egoismus und in einer alles dominierenden Ökonomie. Das Verantwortungsgefühl für den Mitmenschen und die Fähigkeit des Selbstdenkens bleiben dabei auf der Strecke. Mit dem fehlenden Inhalt wird aber auch der durch die Verantwortungsaufklärung gegebene Rahmen funktionslos und führt Europa in eine gefährliche Handlungslähmung. So ist zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der europäischen Religion, also dem Christentum, und dem Erfahrungsschatz sowie dem Wissen der vergangenen Jahrhunderte zu raten, um aus dieser Agonie herauszufinden.</p>
<p>Nur eine argumentative Stärkung Europas (von dem Saddam Hussein Anfang der neunziger Jahre sagte, daß es nicht ernstzunehmen sei) kann der schleichenden Islamisierung ein Ende bereiten, bevor sie richtig begonnen hat. Hätte für die Aufnahme der Türkei in die EU das Argument eines Puffers zum islamistischen Orient hin hilfreich sein können, so ist dieses seit Erdogans Auftritt hinfällig geworden. Mit seiner aufreizenden Rede und dem provokantironischen Nachsatz, wovor die Deutschen denn Angst hätten, hat er sich und sein Land für eine europäische Mitgliedschaft selbst disqualifiziert. Daß es in Deutschland nun für die drei Millionen Türken Zeit sei, Einfluß auszuüben sowie für die fünf Millionen in der EU, Bürgermeisterposten anzustreben, demonstriert die Gefahr türkischen und islamistischen Machtstrebens. Seine Rede beweist aber auch, daß es nicht Schuld der Europäer ist, zu ghettoisieren oder Parallelgesellschaften durch Ausgrenzung heranzuzüchten, sondern daß es die Migranten selbst sind, die sich nicht einordnen wollen. Mit dem europäischen Integrationsversuch stoßen zwei Kulturen aufeinander, deren Asymmetrie nicht größer sein kann. Die islamischen Menschenrechte können mit den unsrigen nicht mithalten, weil sie a) durchweg den göttlichen Gesetzen untergeordnet werden (Scharia) und sich b) damit nicht auf alle Menschen beziehen, die ‚frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind’. So kommen wir nicht umhin, die Frage zu stellen, ob es überhaupt für den Islamisten Möglichkeiten des Verstehens unserer Kultur gegenüber geben kann.</p>
<p>Ist er in der Lage nachzuvollziehen, daß jeder Mensch außerhalb seines muslimischen Glaubens Würde hat, die menschenrechtlich gesichert ist? Hat er die Fähigkeit, das Recht einer menschlichen Existenz ohne seinen transzendenten Gott anzuerkennen? Wenn noch nicht einmal die politischen Führer des Orients bereit sind, sich von diesen leider anzunehmenden Defiziten zu verabschieden, wir also bis heute eindeutige Signale diesbezüglich vermissen müssen, wie können wir dann an das Gelingen einer Integration des Islam in Europa überhaupt glauben? Es war und ist eine Inkompetenz der Türkei, ihren Landsleuten ökonomisch wie sozial kein ausreichend lebbares Dasein zu gewährleisten, und so fühlen sie sich gezwungen, in andere Länder mit einer fremden Kultur auszuwandern. Da ist es nur allzu menschlich, daß sie ein Stück Heimat mitbringen, um sich in der neuen Welt einzurichten. Allerdings müssen sie ihre Ansprüche auf eine Verbreitung ihrer Kultur innerhalb der EU zurücknehmen. Und auch wenn es Erdogans unausgesprochene Ambition ist, durch die Besetzung institutioneller Machtpositionen vielleicht eines Tages die Islamisierung Europas durchzusetzen, so sollten wir darauf dringen, nur noch Staatsbürgerschaften denjenigen zu verleihen, die eine kritische und aufgeklärte Distanz zu ihrer Religion nachweisen können. In Simultaneität zur Terrorismusbekämpfung wäre eine Integration mit dem Ziel der Assimilation erforderlich. Nur so kann letztlich ein islamistischer Marsch durch die Institutionen aufgehalten werden. Die Anpassung an abendländisches Denken und Fühlen ist unvermeidbar bei der Eingliederung in europäische Länder. Europa muß sich selber schützen, durch das Aufleben christlicher Werte von innen stärken und ihnen mit dem in den letzten Jahrhunderten erworbenen Wissen neu begegnen. Dies ist von immenser Bedeutung in einer Zeit der Globalisierung, wo sich die verschiedenen Kulturräume im Dialog verständigen müssen.</p>
<p><strong>Dr. phil. Astrid Meyer-Schubert war Lehrbeauftragte in Berlin und Bukarest und wirkt als freie Publizistin in Wien.</strong></p>
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		<title>Tom Buhrow: So viel Biss wie ein entzahnter Tiger &#8211; laßt ihn kassieren, wenn er nur vom Schirm verschwindet!</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 17:23:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>osi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Wolfgang Röhl Es ist wohlfeil, sich über die lukrativen Nebentätigkeiten des ARD-Moderators Tom Buhrow zu echauffieren, wie sie vom Medienmagazin „Zapp“ auf NDR 3 jüngst enthüllt wurden. Ausgerechnet „Bild“, ansonsten auf der Dauershitliste von „Zapp“, brachte den Fall groß und bundesweit raus. Auf den Medienseiten der Blätter und in den Branchendiensten schlagen er und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/06/roehl-wolfgang2.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-9639" title="roehl-wolfgang2" src="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/06/roehl-wolfgang2.jpg" alt="" /></a> Von Wolfgang Röhl</p>
<p>Es ist wohlfeil, sich über die lukrativen Nebentätigkeiten des ARD-Moderators Tom Buhrow zu echauffieren, wie sie vom Medienmagazin „Zapp“ auf NDR 3 jüngst enthüllt wurden. Ausgerechnet „Bild“, ansonsten auf der Dauershitliste von „Zapp“, brachte den Fall groß und bundesweit raus. Auf den Medienseiten der Blätter und in den Branchendiensten schlagen er und Artverwandtes seither Wellen. Auch die letzten nichtsnutzigen Publizistikprofessoren, die noch nicht einvernommen wurden, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0623/media/0031/index.html" target="_blank"><strong>melden sich begeistert zu Wort</strong></a>, wenn Ethikgeraschel zur Causa B. nachgefragt wird.<span id="more-9638"></span></p>
<p>Ich behaupte mal, dass mindestens die Hälfte der journalistischen Buhrow-Basher gern die kleinen Vergünstigungen in Anspruch nimmt, die ihnen von Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern, Autofirmen etc. offeriert werden…</p>
<p>Wie sonst käme eine Website mit dem lustigen Namen <a href="http://www.journalismus.com/" target="_blank"><strong>http://www.journalismus.com</strong></a>, wo der Weg in die Rabatten en Detail erklärt wird, zu ihren gewaltigen Klickzahlen? Natürlich sind die lieben Kollegen sauer, wenn sie, die bei einer Direktbuchung etwa bei der Tui schlappe zehn Prozent Nachlass auf Pauschalreisen kriegen (das ist gerade mal der Anteil, den sonst das Reisebüro bekäme), erbleichend erfahren müssen, dass eine aus der Glotze wohlbekannte Figur wie Tom B. für ein bisschen frei flottierendes Gelaber 20 000 Euro aus der Kasse der Deutschen Bank erhält oder 10 000 Euro von einer Sektkellerei. DIE Trauben hängen für kleine Medienmalocher zu hoch. Weshalb ihr Geheul über Buhrow &amp; Co. umso schriller tönt.</p>
<p>Das empörte Gedöns aus dem NDR selber, wo Nebenjobs von jeher problemlos angemeldet und genehmigt werden, kann man sowieso vergessen. Wer in der Anstalt dabei erwischt wird, dass er seine Krallen etwas zu weit aufgemacht hat, kassiert natürlich eine Abreibung. Dafür sorgt schon das Intrigengeflecht im Staatsfunk, wo jeder mit jedem über diverse Banden Hühnchen rupft und dabei emsig an seiner eigenen Karriere bastelt – äußerst komplexe und für Außenstehende extrem langweilige Spielchen.</p>
<p>Das alles ist, finde ich, überhaupt nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass die Tagesthemen Lichtjahre entfernt sind vom Credo ihres einstigen Starmoderators Hajo Friederichs: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“. Sie machen sich heute mit jeder dusseligen Kampagne gemein, die von ARD-Volkserziehern ausgeheckt wird, ob sie nun „Frauen können´s besser“ heißt oder “Ist doch Ehrensache”. Mal wird eine Woche lang gegen „rechts“ getrommelt, mal eine Woche für Behinderte veranstaltet. Umwelt-Alarmisten und Katastrophen-Künder haben ein Abo in der Sendung. Und wenn ein Häuflein selbsternannter Weltretter auf die Kuppel eines AKW kraxelt und ein Transparent ausbreitet, darf es sicher sein, damit ganz groß in den Tagesthemen aufzuscheinen.</p>
<p>Schon mit Friedrichs´Weggang von den Tagesthemen setzte ein massiver Quotenrückgang ein. Inzwischen ist die über 30 Jahre alte Sendung ein Pflegefall, den die Bestallung des ehemaligen Washington-Korrespondenten Tom Buhrow als Anchorman nur verschlimmert hat. Das stets freundlich dreinblickende Nichts hat erkennbar so viel Biss wie ein entzahnter Tiger in einem russischen Provinzzirkus. Und seine Co-Moderatorin Caren Miosga wirkt immer wie eine Figur aus der angedachten RTL II-Show „Mein Weg aus der Bulimie“. Aber ist das der Grund, warum sich die Quoten der Tagesthemen im freien Fall befinden? Ungezählte Gründe, welche die Macher dafür aus dem Hut zaubern. Mal sind es die unterschiedlichen Anfangszeiten der Sendung, mal das verdammte Internet, mal die vielen Polittalkshows, mal die schlimme „Politikverdrossenheit“. Nebbich.</p>
<p>Der Grund für den Schwund ist wohl vielmehr, dass die Tagesthemen, der doch ein ungeheurer Apparat zur Verfügung steht, meist nichts weiter sind als ein Wurmfortsatz der „Tagesschau“ mit ihrer immer obsoleter werdenden Nachrichtenverkündung. Nur, dass man in den Tagesthemen zu später Stunde auch noch die Kommentare von 60 politisch eifersüchtig austarierten Wichtigtuern aus diversen Sendern verkraften muss, deren Wortmächtigkeit mühelos von den Leitartiklern im Mantelteil des „Stader Tageblattes“ getoppt wird. Die grotesken Diadochenkämpfe, die deswegen in der ARD-Schalte ablaufen, sind den wenigsten Zuschauern bekannt. Doch die Volksabstimmung per Fernbedienung zeigt, wie populär der Laden ist.</p>
<p>Eine Zuschauerbefragung der ARD hatte ergeben, dass Gebührenzahler Themen wünschen, „die Betroffenheit auslösen“. Oder auch nur solche, „von denen sie noch nichts gehört haben“. Gehört haben die Zuschauer von nahezu allem, was in den Tagesthemen aufgewärmt wird. Dass solcher Kohl, serviert von zwei staatstragend aus der Wäsche guckenden Schlafpillen, immer weniger Leuten schmeckt, ist eine frohe Botschaft. Ändern wird sie aber nichts. Warum sollte sich die ARD, ein Institut zur Erreichung von Rentenansprüchen (mit angeschlossenem Sendebetrieb) ernsthaft reformieren wollen? Oder gar mal was richtig Neues probieren?</p>
<p>Von mir aus könnten Buhrow und andere Sandmännchen 50 000 Euro pro Auftritt kassieren. Wenn sie nur endlich vom Schirm verschwänden. Aber, zu dumm &#8211; genau das kann ja eben nicht funktionieren.</p>
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		<title>Wolfgang Röhl über den &#8220;60.&#8221; von Orwells &#8220;1984&#8243;</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Jun 2009 10:34:00 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/06/roehl-wolfgang1.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-9441" title="roehl-wolfgang1" src="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/06/roehl-wolfgang1.jpg" alt="" /></a>Von Wolfgang Röhl</p>
<p>Vor sechzig Jahren, am 8. Juni 1949, erschien in London George Orwells Roman „Nineteen Eighty-Four“, vier Tage später in New York. Im ersten Jahr verkaufte er im Vereinigten Königreich 50 000 und in den USA rund 330 000 Hardcover. Wie viele Millionen bis heute gedruckt wurden, ist schwer zu sagen; wahrscheinlich eine zweistellige Zahl. Allein die Samisdat-Verbreitung – unter allen kommunistischen<span id="more-9442"></span> Regimes war das Buch verboten und begehrt &#8211; muss gigantisch gewesen sein. „Er mag nicht der beste Roman der Welt sein“, schreibt Robert Harris zum Jubiläum in der „Sunday Times“, „aber er ist sicher der einflussreichste.“ „1984“ wurde mehrfach für den Rundfunk bearbeitet, verfilmt, auf die Bühne gebracht. Und, vor allem, zitiert wie kein anderes Werk neben einem von Shakespeare. „Großer Bruder“, „Neusprech“, „Doppeldenk“ oder „Gedankenpolizei“ zogen als obligatorischer Schmäh in die gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen ein. Heutzutage wirkt die Orwell-Keule oftmals grotesk, davon später…<!--more--></p>
<p>Die hektische Arbeit an dem Buch gab seinem Tbc-geschwächten Schöpfer den Rest. Der Journalist und Autor („Burmese Days“, „Animal Farm“), lebenslang neurotisch und hoch widersprüchlich, hatte sich zum Schreiben ausgerechnet auf der schottischen Insel Jura eingeigelt, wo es fast das ganze Jahr über feucht und kalt ist. Sechs Monate nach dem Erscheinen seinen Meisterwerks starb er, erst 46 Jahre alt. „Die Tragödie war“, so sein Freund Cyril Connolly, „dass er schon ein sterbender Mann war, als er endlich Ruhm und Reichtum erntete“.</p>
<p>Wie man zu „1984“ stand, das war immer auch ein politisches Statement. In den Diktaturen des Stalinismus konnte einen allein der Besitz des Buches in den Knast bringen. In England wütete die Labour Party dagegen, die sich in der Buch-Partei und deren Ideologie „Engsoz“ karikiert sah. Orwell, der wie viele Intellektuelle seiner Generation in jungen Jahren mit dem Kommunismus sympathisiert und im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner gekämpft hatte, wiegelte öffentlich ab. Das Buch sei kein Angriff auf Labour oder auf den Sozialismus, sondern beschreibe die Gefahren „totalitärer Ideen“ im Allgemeinen.</p>
<p>Doch die vierschrötige Gestalt des Big Brother mit dem gewaltigen Schnauzer ähnelte schon rein äußerlich Stalin, nicht Hitler. Die Herrschaftsformen in „1984“, waren sie nicht eins zu eins dem Sowjetstaat entliehen? Die Partei im Buch, die unablässig die Vergangenheit umschreiben lässt (in einer solchen Fälscherabteilung arbeitet der Protagonist Winston Smith ), und der es nicht genügt, ihre Gegner zu liquidieren (sie müssen ihre Auslöschung selber bejahen), diese allgegenwärtige Krake mit ihrem virtuellen Feindbild „Goldstein“ alias Trotzki ist eben nicht die NSDAP und nicht die Falange Spaniens und nicht die Schwarzhemden Italiens. Sie ist, bis in Details, die KPdSU der Moskauer Schauprozesse auf technisch höherem Kontrollniveau.</p>
<p>Unter aufrechten deutschen Linken, nicht bloß unter Stalinisten, war das Buch bis in die siebziger Jahre hinein – na, sagen wir, verpönt. Es galt, wie sein weniger wirkungsmächtiges Pendant „Sonnenfinsternis“ von Arthur Koestler, als Renegatenzeug, das man lieber überging – es nütze letztlich doch bloß „Strauß und dem Monopolkapital“. Strauß war über viele Jahre der ideale Butzemann, wie bis kürzlich George W. Bush. Immer, wenn den Linken was unangenehm war und sie eine Debatte abwürgen wollte, zogen sie Strauß aus dem Ärmel (der war übrigens auch, auf einem Plakat von Klaus Staeck, der wahre Profiteur, wenn nicht gar Hintermann, der RAF).</p>
<p>Ich habe „1984“ zuerst als Schüler gelesen; in der deutschen Ausgabe des Diana-Verlages. Auf dem Umschlag war eine öde Stadtkulisse zu sehen, im Vordergrund ein verwehter Zettel mit der Aufschrift „I love you“. Gebe gern zu, dass mich „1984“ gegen den Kommunismus mit imprägniert hat. Insofern ist, was mich betrifft, eingetreten, was die Gegner von „1984“ von Anfang an befürchtet hatten. Orwells Geniestreich war, seine politische Horrorvision als Roman anzulegen, in dem sogar kurzzeitig ein Quantum Trost aufflackert. Robert Harris: “Hätte er Non-Fiktion geschrieben, wäre das Buch schon vor Jahren vergessen gewesen.“</p>
<p>Bekanntlich ist die Welt summa summarum heute weit von Nineteen Eighty-Four entfernt. Ärgerlich, wenn Leute, die sich in ihren, von 60 Jahre Freiheit und Frieden offenbar völlig aufgeweichten, Birnen nicht mal ansatzweise vorzustellen vermögen, wie es in einer Orwellschen Diktatur zugeht (das Modell existiert ja noch zumindest in einem Staat – Nordkorea – höchst real); wenn solche Leute also vom „Orwellstaat“ schwätzen, weil in irgendeiner U-Bahnstation eine Überwachungskamera hängt, die Schläger, Messerstecher und Räuber identifizieren soll. Die ihr persönliches Datenprofil inklusive ihrer erotischen Präferenzen fröhlich auf StudiVZ oder Facebook stellen, einsehbar für jedermann, aber jederzeit gegen eine Volkszählung auf die Straße gehen würden. Die nach mehr nach Undercover-Agenten, Lauschangriffen und Staatsschutz schreien, wenn es um die NPD geht, aber dieselben Aktionen gegen die SED-Nachfolger als „Big Brother-Praktiken“ verdammen. Die irgendwelche idiotischen, rechtswidrigen, aber denn doch nicht direkt ins Straflager führenden Bespitzlungen der Mitarbeiter von Lidl, Bahn oder Telekom schon für Orwell in Reinkultur halten.</p>
<p>Mit solchen Leuten würde ich gern mal nach Zimmer 101 gehen. Nur ganz kurz.</p>
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		<title>Gudrun Eussner über Barack Obamas-Kairo-Rede</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 14:58:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>osi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vom derzeitigen Standort Barcelona: US-Präsident Barack Hussein Obama hat sich in Cairo vor dem islamischen Teil der Welt verbeugt, hat versucht, Signale zu setzen. Einerseits neige ich dazu, ein wenig Verständnis zu zeigen, dass Obama die Dramaturgie über den Neuanfang reichlich übertrieben hat: Er bedient dabei den Inferioritätskomplex der islamischen Welt. Andererseits gehen meine Beobachtungen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom derzeitigen Standort Barcelona:</p>
<p>US-Präsident Barack Hussein Obama hat sich in Cairo vor dem islamischen Teil der Welt verbeugt, hat versucht, Signale zu setzen. Einerseits neige ich dazu, ein wenig Verständnis zu zeigen, dass Obama die Dramaturgie über den Neuanfang reichlich übertrieben hat: Er bedient dabei den Inferioritätskomplex der islamischen Welt. Andererseits gehen meine Beobachtungen, wozu auch der tiefe, tiefe Bückling vor dem Saudi-König gehörte, dahin, dass ich da etwas Grundsätzliches vermisse: die klare, ehrliche Ansage. Das Bekenntis zu Israel und den Werten der freiheitlichen Gesellschaft kamen nicht so richtig rüber: Zu viel Kotau, zu wenig Klarheit. Man kann sich auch von falschen oder erratischen Entscheidungen distanzieren, ohne dass man den Eindruck erweckt, Positionen grundsätzlich in Frage zu stellen.</p>
<p>Die geschätzte Blogger-Freundin <strong>Dr. Gudrun Eussner</strong> hat Obamas Kairo-Rede analysiert und den Hintergrund ausgeleuchtet, wobei sie auch an gebrochene Versprechen erinnert. Da sie dem täglichen Broterwerb nicht mehr nachgehen muss, hat sie genügend Zeit, so etwas fundiert zu tum.</p>
<p>Gudrun Eussner ist immer gut für Denkanstöße. <a href="http://www.eussner.net/artikel_2009-06-06_23-13-57.html#fn1" target="_blank"><strong>Hier also zu ihrer Analyse.</strong></a></p>
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		<title>Wichtiger als die Kurras-Diskussion: Wie die DDR die Friedensbewegung manipulierte &#8211; von Anfang an</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 16:22:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>osi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Wolfgang Röhl Tut mir leid, aber der Fall Kurras interessiert mich nicht. Ob die Geschichte der Beh-Err-Deh anders verlaufen wäre, wenn der Ohnesorg-Erschießer beizeiten als Stasi-Hiwi enttarnt worden wäre? Womöglich schon vor dem Schuss, 1965 nämlich, als ihm der Verfassungsschutz schon mal auf der Spur gewesen sein soll? Wäre, hätte, könnte. Wer sich immer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/06/roehl-wolfgang.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-9362" title="roehl-wolfgang" src="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/06/roehl-wolfgang.jpg" alt="" /></a> Von Wolfgang Röhl</p>
<p>Tut mir leid, aber der Fall Kurras interessiert mich nicht. Ob die Geschichte der Beh-Err-Deh anders verlaufen wäre, wenn der Ohnesorg-Erschießer beizeiten als Stasi-Hiwi enttarnt worden wäre? Womöglich schon vor dem Schuss, 1965 nämlich, als ihm der Verfassungsschutz schon mal auf der Spur gewesen sein soll? Wäre, hätte, könnte. Wer sich immer noch an derlei Hypothesen abarbeitet, darf meines herzhaften Gähnens sicher sein.</p>
<p>Wichtiger, finde ich, ist dies: schon lange, bevor Kurras abgedrückt hatte, musste man nicht bei einem Geheimdienst gewesen sein, um zu wissen, dass so genannte fortschrittliche Kreise des Westens im großen Stil von der illegalen KPD (die 1968 zur DKP umgetopft wurde) und ihren diversen Tarn- und Vorfeldorganisationen unterwandert waren und dass dadurch politische Stimmungen des Westens in einem ganz erstaunlichem Ausmaß beeinflusst wurden. Was sie, die fortschrittlichen Kreise, bis heute nicht wahrhaben wollen…<span id="more-9363"></span></p>
<p>Schon die erste deutsche „Friedensbewegung“ der Nachkriegszeit, die ihren Höhepunkt 1958 mit Ostermärschen und der Anti-Atomtod-Kampagne erreichte, war maßgeblich von Ostberlin gefingert, wie ehemalige KPD-Mitglieder, etwa das Ehepaar Ulrike Meinhof/Klaus Rainer Röhl, später enthüllten. Ulrike M. machte das nie öffentlich (aber mir, ihrem Schwager, gegenüber, schon mal). Um so mehr hat das, und zwar mit Farbe und Geruch, mein Bruder Klaus Rainer in seinen Büchern getan.</p>
<p>Ein Transmissionsriemen solcher Kampagnen war in den fünfziger und frühen sechziger Jahren die von den beiden redigierte, im linken Westmilieu sehr einflussreiche Monatszeitschrift „konkret“, die mit Summen von bis zu 40 000 Mark pro Ausgabe von der DDR subventioniert wurde. Diese Tatsache war sogar allgemein bekannt. Meine Lehrer zogen mich um 1965 an einem Gymnasium der norddeutschen Provinz ab und zu damit auf.</p>
<p>„Ihr Bruder kriegt Geld aus dem Osten, liest man?“</p>
<p>Für mich, damals, natürlich Faschosprüche. Nur Springerknechte konnten so was schreiben, nur Springerhörige es glauben. Im „Spiegel“ hatte ich nie ein Wörtchen davon gelesen. Also konnte an den Vorwürfen ja nichts dran sein. Erst viel später erfuhr ich betrübt, dass auch mein geliebtes „Sturmgeschütz der Demokratie“, wie so manche andere westdeutsche Publikation, sich gelegentlich in Ostberlin eingedeckt hatte. Nicht mit Geld allerdings, aber mit echten oder prima gefälschten Dokumenten, mit denen „revanchistische“ westdeutsche Politiker erledigt werden sollten.</p>
<p>„Konkret“ nabelte sich 1964 nach einem heftigen politischen Dissens von der DDR ab. Den westdeutschen DDR-Sympathisanten tat das weh, doch machten sie Business as usual. Ihre unbeirrbare Mission hieß: Volksfront aufbauen. Das sah so aus: nimmermüde Krypto-Kommunisten rekrutierten gutwillige, sehr blauäugige (manchmal auch schlicht alte und vertrottelte) westdeutsche Kirchenmänner, Pädagogen, Künstler, Sozialdemokraten, Jungsozialisten, Jugend- und Schriftstellerverbandsvorsitzende, Wissenschaftler, Gewerkschafter und andere Friedens- und Fortschrittsinteressierte für Aufrufe und Unterschriftslisten, die den gerade angesagten Interessen Ost-Berlins dienlich waren. Auch Politiker vom ultralinken Flügel der FDP (ja, den gab´s mal!) ließen sich in den siebziger Jahren nur zu gern vor den Kommunisten-Karren spannen.</p>
<p>Clever hielten sich die eingeschriebenen DKP-Leute dabei im Hintergrund; sie machten hauptsächlich Kärrnerarbeit. Wichtiger war das unverdächtige Vorfeld, das nicht direkt unter Hammer und Sichel firmierte. Die „Deutsche Friedens Union“ (DFU) der Meinhof-Ziehmutter Renate Riemeck erzielte zwar immer nur marginale Wahlergebnisse, kämpfte aber desto erfolgreicher an der Volksfront. Wer ein Who is who der Szene besichtigen wollte, musste nur auf das jährliche Pressefest der „UZ“ gehen, wo sie alle zusammenhockten: die DKP und die UZ und die DFU und die Kriegsdienstgegner und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der Pahl-Rugenstein-Verlag und der Berliner Extra-Dienst und die Roten Blätter der DKP-Studentengarde MSB-Spartakus; der Musikverlag „pläne“ und die rheinische Band Bläck Fööss; linke Barden wie Süverkrüp, Wader und Degenhardt und, und, und. Da zog man sich kubanischen Rum und russischen Wodka rein und wuchs zusammen, irgendwie. Manche vom Radical chic faszinierte Promis, wie Franz Xaver Kroetz oder Martin Walser, machten allerdings schnell wieder den Abflug. Andere, wie der schriftstellernde Apo-Apologet Uwe Timm („Heißer Sommer“), blieben der DKP noch lange treu. Auch Timm trat irgendwann wieder aus. Hat aber, wie er sich so anhört, bis heute nichts kapiert.</p>
<p>So lachhaft die Bemühungen manchmal wirken – weder wurde die UZ jemals eine richtige Zeitung, noch kamen DKP oder DFU auch nur in Sichtweite der 5-Prozent-Hürde -, das hartnäckige Einflussagenten-Gerödel hatte Erfolg. Die große „Berufsverbot“-Kampagne etwa, welche die Bundesrepublik zumal in Ländern wie Holland oder in Skandinavien wirksam diskreditierte, wäre nicht ohne die Unterstützung von liberalen Promis und bürgerlichen Blättern möglich gewesen, welche nicht im Verdacht standen, DDR- Kommunisten nahe zu stehen. Den „Krefelder Appell“ gegen die Pershing-Raketenstationierung Anfang der 80er-Jahre, von einer aus Moskau und Ostberlin finanzierten Volksfront-Kaderabteilung mitorganisiert, ihn unterschrieben vier Millionen Westdeutsche. Der Entwurf des „Appells“ stammte von einem DKP-Mann namens Josef Weber; Mitautor (jedenfalls auf dem Papier) war Petra Kellys General a.D. Gerd Bastian. Von jenem Mann, der die Friedens-Heroine und sich selber später erschoss.</p>
<p>Waren das Zeiten!</p>
<p>Hunderttausende demonstrierten damals in Bonn und anderswo dafür, den russischen SS-20-Raketen nichts anderes entgegen zu setzen als den frommen Glauben an das Grundgute im russischen Problembären. Oder, wie es der Rocksänger Sting mit unnachahmlicher Einfalt zur Klampfe sang: „I hope the russians love their childen, too“.</p>
<p>Methoden und Ausmaß der Unterwanderung blieben keineswegs geheim. Als einmal ruchbar wurde – Anlass war, glaube ich, eine geplatzte Solidaritätserklärung für den aus der DDR geschassten Sänger Wolf Biermann -, dass fast die gesamte Jugendarbeit der IG-Metall von orthodoxen Kommunisten gesteuert wurde, sorgte das für Furore. Nicht nur in konservativen Blättern wurden damals Namen von Aktivisten, Tarnorganisationen und nützlichen Idioten öffentlich genannt. Auch demokratische Sozialisten, etwa der SPD-Linksabweichler Jochen Steffen, der einst von DDR-Agenten gekidnappte Gewerkschafter und hartnäckige Kritiker des „realen Sozialismus“ Heinz Brandt oder der wunderbare Lyriker Peter Rühmkorf, haben in linken Magazinen wie „dasda“ immer wieder auf den Kurs der DDR-U-Boote aufmerksam gemacht.</p>
<p>Auch die linken Sekten, Konkurrenten von DKP &amp; Co., schliefen nicht. Wer etwa den „Arbeiterkampf“ des Kommunistischen Bundes (KB) las, bekam die Querverbindungen zwischen SED, DKP, DFU und ihren Satellitenorganisationen auf dem Tablett serviert, akkurat von fleißigen KBlern recherchiert und ständig aktualisiert.</p>
<p>Kurz, war ja alles bekannt. Wenn man es denn wissen wollte.</p>
<p>Wo man nie oder selten etwas zu dem Thema las, war in der linken und liberalen Presse. Nicht nur die „Frankfurter Rundschau“, die sich zeit- und streckenweise wie ein Pflichtblatt der DKP las, schwieg dazu beredt. Auch Magazine oder Blätter wie „ Die Zeit“ oder die „Süddeutsche Zeitung“. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten meldeten schon gar nichts über das muntere Treiben der Systemveränderer, außer mal bei Löwenthal. Aber der galt ja als Ultrarechter, musste man nicht ernst nehmen. Die emsige Westarbeit der DDR in der Bundesrepublik, sie war für die meisten unserer wackeren Recherchier-Journalisten nie ein Thema. Lieber verbissen sie sich in die vermeintliche Gefahr von Volkszählungen oder schwelgten später endlos in der Aufarbeitung von CDU-Spendenaffären; gerade so, als ginge dadurch die Demokratie unter.</p>
<p>Und die Buchverlage? Druckten Böll, Lenz, Wallraff und DKP-nahe „Arbeiterdichter“ oder die Manifeste linker Ideologen &#8211; aber mit Kusshand! Doch der Sozialist Heinz Brandt, den Stasi-Agenten auf dem Boden der Bundesrepublik betäubt, in die DDR verschleppt und als Opponenten des SED-Regimes in den Knast gesteckt hatten, fand nach seinem erkauften Transfer in den Westen lange keinen Verlag, der sein Buch „Ein Traum, der nicht entführbar ist“, verlegen mochte.</p>
<p>Die Aufarbeitung unserer jüngeren Medienvergangenheit, die Versumpfung der „bürgerlichen“ Westmedien im ostpolitischem Mainstream und die Erfolge der Stasi-Westarbeit sind ein Krimi, der für viele Folgen taugte. Er würde vielen recht weh tun. Material ohne Ende gibt es dazu bei Jochen Staadt (Forschungsverbund SED-Staat an der FU-Berlin) oder bei Christoph Stamm (Autor einer Studie über die Arbeit der DFU).</p>
<p>Kurras? Fußnote der Geschichte.</p>
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		<title>Für Joschka Fischers Frau und Wallraff bin ich gern die Schurnalistensau, die Günni schamlos ausgenutzt hat</title>
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		<pubDate>Sun, 17 May 2009 20:34:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>osi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Wolfgang Röhl Es gibt Nachrichten, die klingen so, als habe man versehentlich eine Website vom 1. April aufgerufen. Da ist man total baff, wie dieser Typ am Strand, als 007 in einem der frühen Bond-Filme mit dem Unterwasserauto auftaucht. So ging es mir gestern, als ich diese Meldung in der „Münsterländischen Volkszeitung“ las: „Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/05/roehl-wolfgang2.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-9182" title="roehl-wolfgang2" src="http://www.deutschlandwoche.de/wp-content/uploads/2009/05/roehl-wolfgang2.jpg" alt="" /></a> Von Wolfgang Röhl</p>
<p>Es gibt Nachrichten, die klingen so, als habe man versehentlich eine Website vom 1. April aufgerufen. Da ist man total baff, wie dieser Typ am Strand, als 007 in einem der frühen Bond-Filme mit dem Unterwasserauto auftaucht. So ging es mir gestern, als ich diese Meldung in der „Münsterländischen Volkszeitung“ las:</p>
<p>„Die Produzenten Minu Barati-Fischer und Dirk Eggers planen einen Kinofilm über Günter Wallraff. Schwerpunkt soll die risikoreichste Aktion des Enthüllungsjournalisten sein. 1974 nahm Wallraff als Grieche verkleidet in Athen an den Demonstrationen gegen die damals herrschende Militärdiktatur teil. Er wurde gefangen genommen und gefoltert. Regie führt Lars Montag, wie die Jooyaa Filmproduktion Berlin mitteilte.“</p>
<p>Minu Dingsbums-Fischer! Das ist doch&#8230;genau! Nämlich die fünfte Gattin (oder die neunte? Habe vor Jahren das „Bunte“-Lesen aufgegeben) von Joseph dem Bullenschubser, the man formerly known as <span id="more-9181"></span>our Außenminister…</p>
<p>Der kennt natürlich den Günter aus alten Tagen, als es in allen Putzgruppen des Schweinesystems hoch her ging. Sicher hat er seiner schönen Frau einen Draht zu dem Enthüllungs-Crack gemacht, der bisher – bescheiden wie er ist – sein heroisches Leben besser nicht verfilmt sehen wollte. Glückwunsch zu diesem tollen Fang, liebe Minu! Hier sind ein paar Tipps in Sachen Wallraff, damit Ihr Filmdebüt ein durchschlagender Erfolg wird:</p>
<p>Auch ein Dokumentarfilm sollte Humor enthalten! Zum Glück ist daran kein Mangel, wenn es um Wallraffs Vergangenheit geht – seine Recherchiermethoden waren nicht selten zum Totlachen. So enthüllte er mal Erschröckliches über einen Professor namens Horst Gärtner vom Kieler Hygiene-Institut, der angeblich an biologischen Waffen für die Bundeswehr arbeitete. Wallraff hatte ihn unter falschem Namen als „Ministerialrat Stratmann vom Verteidigungsministerium“ angerufen (eine Methode, die er häufig verwendete) und in ein Gespräch über einen „Forschungsauftrag zur Überwindung der Immunitätsbarriere für Pockenerreger“ verwickelt. Gärtner antwortete, er wisse von keinem Forschungsauftrag für die Bundeswehr, sagte aber im Laufe des Gesprächs mehrfach „ja“ oder „ja, ja“; zum Zeichen, dass er „Strathmann“ verstanden hatte. Wallraff reimte den gutgläubigen Lesern seines Stücks das Ganze dann so zusammen, dass “Giftmischer” Gärtner damit seine menschenverachtende Arbeit für die Bundeswehr zugegeben habe. Womit im Nachhinein klar wurde, wie er, Wallraff, Jahre später so nahtlos in die Rolle eines „Bild“-Reporters schlüpfen konnte. Täuschen, tricksen und desinformieren lag ihm schon immer im Blut.</p>
<p>Etwas Pech war, dass der Professor den Rufmord nicht auf sich sitzen ließ und heftig prozessierte. Am Ende gewann er – nicht gegen Wallraff, sondern gegen den presserechtlich Verantwortlichen, den Chefredakteur der Zeitschrift „konkret“ Klaus Rainer Röhl, der Wallraffs linke Nummer ausbaden musste. Die Geldstrafe von 4000 Mark sowie die happigen Kosten für einen Widerruf in regionalen und überregionalen Blättern musste auch nicht Wallraff zahlen, sondern Röhl. Der Enthüllerkönig selber hielt sich bedeckt und schien bei den Gerichtsverhandlungen gar nicht auf. Als er jedoch den gefakten Artikel mitsamt den untersagten Behauptungen später ungerührt in einem Sammelband seiner „Reportagen“ veröffentlichte, kriegte auch er was auf den Deckel. Das Landgericht Kiel verdonnerte ihn zu 6000 Mark. Doch die konnte er aus der Portokasse zahlen, da sich das Buch inzwischen glänzend verkauft hatte.</p>
<p>Sehr komisch war auch immer der Günni als Privatmensch. Wie er mit seinem Kumpel Bernd Michels, einem später als Stasi-Spion verurteilten Adabei der linken Sozenszene auf St. Pauli und anderswo zockend um die Häuser zog – eine Zockernatur ist Wallraff ja durch und durch -, und was dabei so alles passierte, das müssen Sie, liebe dokumentarfilmende Minu, sich unbedingt im O-Ton von Bernd Michels erzählen lassen. Da liegen die Zuschauer unter dem Tisch vor Lachen!</p>
<p>Eine tolle Komödie war auch Wallraffs Abenteuer in Athen. Ich erinnere mich gut daran, denn zu Beginn war ich dabei. Es verhielt sich so: Wallraff, einige seiner politischen Freunde sowie in Deutschland lebende Mitglieder der Opposition gegen die Militärdiktatur in Griechenland (1967 – 1974) hatten verabredet, dass Wallraff mit einer spektakulären Aktion in Athen auf die Lage in dem Nato-Land aufmerksam machen würde. Dass geschah zwar etwas spät – die Diktatur war schon in ihrem siebten Jahr –, aber Wallraff war Feuer und Flamme.</p>
<p>Dass er in Athen verhaftet werden würde, war klar und intendiert. Sofort nach seiner Festnahme würden seine Freunde das Auswärtige Amt einschalten und so das Obristenregime darüber informieren, dass sie einen „berühmten deutschen Schriftsteller“ eingesammelt hatten. Wallraff würde auf diese Weise wahrscheinlich bald frei kommen. Einige Leiden waren auch einkalkuliert, denn ein Bruce Willis der Gutmenschen war Wallraff ja immer. Er fuhr auch gern in der Knallhitze von Lanzarote Rennrad, bis ihm fast die Birne platzte.</p>
<p>Weshalb er, der mit Griechenland nie viel am Hut gehabt hatte, sich plötzlich für die Aktion gegen das Obristenregime erwärmte, habe ich nie herausgekriegt. Es wurde später spekuliert, er habe damals befürchtet, dass eine fabrizierte Reportage von ihm aufzufliegen drohte und habe sich auf diese Weise als Märtyrer unangreifbar machen wollen. Aber das ist nie bewiesen worden. Jedenfalls wurde ich bestimmt, seine Aktion teilnehmend-beobachtend für das linke Magazin „dasda“ zu covern.</p>
<p>Die gesamte Aktion war unglaublich dilettantisch eingefädelt. Statt als Einzelkämpfer nach Athen zu fliegen und dort sofort in Aktion zu treten – Wallraff wollte sich auf dem Syntagma-Platz anketten und Flugblätter verteilen -, traf er sich in Griechenland zunächst mit mehreren Personen aus Deutschland, die mit einem DKP-unterwanderten „Ausschuss Griechenland-Soridarität“ zu tun hatten. Wären die Behörden im Griechenland auch nur ein bisschen clever gewesen, hätten sie die ganze Party schnell ausspioniert und hopp genommen, und mit dem beabsichtigten Fanal wäre es Essig gewesen.</p>
<p>Wallraff wohnte in einem Hotel, das praktischerweise in der Nähe des Hauptquartiers der Athener Geheimpolizei lag. Auch das so ein Klopfer, zu dem mir nichts mehr einfiel. Als wir aus Piräus zurückkamen, wo wir am Hafen gut gelaunt Steaks gegessen und eine solide Kette mit Panzerschloss gekauft hatten, ging Wallraff denn doch etwas die Muffe. Die schwere Kette, die er in einer Basttasche trug, klickerte vernehmlich. Ich übernahm sie schließlich und war darauf vorbereitet, ihre Existenz einem sich uns möglicherweise in den Weg stellenden Regimeschergen irgendwie zu erklären. Passierte aber nichts.</p>
<p>Den Rest des Tages raste ich mit dem Taxi durch Athen und versuchte, Korrespondenten ausländischer Blätter zum Syntagma-Platz zu locken. Die Öffentlichkeitsarbeit, das Wichtigste bei solch einer Aktion, war überhaupt nicht vorbereitet worden. Ich wusste nur, dass auf keinen Fall der dpa-Korrespondent eingeweiht werden durfte. Dessen griechischer Ehepartner galt als obristentreu.</p>
<p>Ein paar Journalisten, zum Beispiel von Oslos „Aftenposten“, versprachen mir, am übernächsten Vormittag die Anketterei zu beobachten und darüber zu berichten. In Skandinavien genoss Wallraff einen Ruf als Heiliger unter lauter deutschen Faschos. Ich rief auch die Redaktion des Politmagazins „Panorama“ an. Sie sagte zu, ein Team zu schicken.</p>
<p>Am 10. Mai – es war, glaube ich, um die Mittagszeit – schloss sich Wallraff an einer Straßenlaterne auf dem belebtesten Platz der Hauptstadt an und versuchte, mitgebrachte Flugblätter mit einem Aufruf gegen die Politik der Generäle zu verteilen. Die meisten Touristen ignorierten ihn, und nur wenige Griechen trauten sich, die Handzettel zu nehmen. Die<br />
Korrespondenten beobachteten das dürre Spektakel; die Panorama-Leute filmten es durch eine konspirativ durchlöcherte Aktentasche. Hektik kam erst nach ein paar Minuten auf, als sich die ersten Spitzel und Agenten des Regimes – auf dem populären Platz im Herzen Athens waren immer genug von ihnen verteilt – um Wallraff scharten, ihm die Flugblätter entrissen und ihn zu Boden warfen.</p>
<p>Er bekam Schläge ins Gesicht ab, es floss Blut. Problem war, dass die Fernsehleute das nicht filmen konnten, weil sich inzwischen eine Traube von Menschen – die meisten wohl Spitzel – gebildet hatte. Das TV-Team ging nicht ins Getümmel, es fürchtete zu Recht, mit seiner großen Kamera (die Geräte waren damals noch voluminös) sofort aufzufliegen. Ich schlenderte zu dem Platz, wo Wallraff umringt am Boden lag, hob meine Pentax mit dem 28er Weitwinkelobjektiv über die Köpfe und hielt ein paar Mal drauf. Es sind die einzigen Aufnahmen vom verprügelten Wallraff. Sie gingen um die Welt. Na, sagen wir, durch Europa.</p>
<p>Als mir daraufhin ein paar Typen mit Riesenschnauzern, die ich aus dem Film „Z“ zu kennen glaubte, irgendwas Unschönes ins Gesicht versprachen und mich vor die Brust stießen, machte ich mich „I`m only a tourist“ murmelnd mit meiner Kamera aus dem Staub, verbuddelte den Film in einem Blumenbeet, checkte im Hotel aus, klaubte auf der Taxifahrt zum Flughafen den Film aus dem Beet und bestieg die nächste Lufthansa-Maschine nach Frankfurt. Die Bilder gab ich sofort zur dpa. Sie nahmen zwei davon, die schön authentisch-verwackelt aussahen. Später bekam ich dafür als einmalige Abgeltung 80 Deutsche Mark.</p>
<p>Ich bequasselte einen dpa-Redakteur, die Agentur müsse die Fotos unbedingt sofort senden und zwar im Eil-Eil-Status. Er hatte zunächst lange Zähne. Wallraff war 1974 gar nicht mehr angesagt &#8211; möglicherweise auch ein Motiv für seine Athen-Aktion. Immerhin, am nächsten Tag waren die Bilder in vielen Blättern. Auch Egon Bahr schaltete sich ein. Das Regime wusste bald, wen es sich eingefangen hatte.</p>
<p>Wallraff wurde einem, wie er es selber nannte, Folterverhör unterzogen, bis er sich als Deutscher outete. Ein Militärgericht verurteilte ihn zu 14 Monaten Knast, von denen er 77 Tage absaß. Dann brach das Militärregime, das schon lange unter dem Druck der Europäer und Amerikaner gestanden hatte, zusammen und die politischen Gefangenen wurden befreit. Ich hatte unterdessen bei Panorama – Redakteur des Beitrags war Stefan Aust &#8211; das geschildert, was die Kameraleute nicht hatten filmen können, nämlich Wallraffs Behandlung auf dem Syntagma-Platz. Natürlich honorarfrei. Später hat Wallraff meinem Blatt vorgeworfen, es habe ihn und seine Athen-Aktion „vermarktet“.</p>
<p>Damals war mir das leider nicht recht möglich. Aber vielleicht heute? Liebe Minu: wenn die todesmutige Athen-Chose im Mittelpunkt Ihres Wallraff-Biopics stehen wird, so wäre ich gegen ein angemessenes Honorar bereit, die skrupellose Schurnalistensau zu spielen, die den Günni damals schamlos ausgenutzt hat. Wir könnten eine Szene drehen, wo ich mit gierigem Grinsen die ganzen 80 Mark von der dpa in kleinen Scheinen in einen Koffer stopfe. Bin filmerfahren! Mache alles mit! Gemeinsam holen wir den Grimme-Preis!</p>
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